Brigitte Hauser

Seine Liebe zu verleugnen,
heisst Gott zu verleugnen

1. Teil

Einleitung
1.   Die Beziehung feiern
2.   Beweggründe für die Feier
3.   Veränderungen für das Paar durch die Feier
4.   Die Beziehung zu den Eltern
5.   Religiöse Aspekte


Vorwort,   Teil 1,   Teil 2,   Teil 3,   Anhang

Einleitung

In den letzten Jahren ist in westeuropäischen und nordamerikanischen Kirchen das Verhältnis der Kirchen zur Homosexualität und ihren homosexuellen Mitgliedern eine heftig und häufig diskutierte Frage. [1] Besonders brennend wird die Frage in den reformierten Landeskirchen in der Schweiz immer dann, wenn die Homosexualität eines Pfarrers/einer Pfarrerin an die Öffentlichkeit gelangt, Lesben und Schwule eine kirchliche Segensfeier für ihre Partnerschaften begehren oder wenn sich Homosexuellenorganisationen mit Hilfe der Medien gegen die sich zur Berner Landeskirche zählende charismatische Laienbewegung "Basileia" wehren. [2] Meines Wissens ist in keiner Landeskirche der Schweiz Homosexualität ein Grund, einen Theologen/eine Theologin nicht zu ordinieren. Ob allerdings offen homosexuell lebende PfarrerInnen eine Anstellung finden, hängt von der jeweiligen Kirchgemeinde ab. Sehr zögerlich und ängstlich verhalten sich die Landeskirchen aber  noch in bezug auf kirchliche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Ich weiss von inoffiziellen kirchlichen Segensfeiern in den Kantonen Basel-Stadt, Graubünden und Zürich. Im Kanton Bern fand der erste offizielle Fürbittegottesdienst für ein gleichgeschlechtliches Paar im Juli 1995 statt. Erst zu diesem Zeitpunkt fingen die Kirchen an, wirklich ernsthaft über Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare nachzudenken.

Ziel meiner Arbeit ist aufzuzeigen, dass Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare einem Bedürfnis entsprechen und dass auf der christlichen Tradition beruhende Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare möglich sind. Die Arbeit bietet Anregung für PfarrerInnen und andere kirchlich Interessierte, die Situation homosexueller Paare in- und ausserhalb der Kirche zu überdenken. Die Arbeit soll darlegen, dass es keinen theologischen Unterschied zwischen einer kirchlichen Trauung und einer Paarsegnung gibt und genau so wenig eine ontologische Differenz zwischen homo- und heterosexuellen Paarbeziehungen. Darum will ich mit meiner Arbeit Kirche Mut machen, für homosexuelle Paare liturgische Räume zu öffnen.

Im ersten Kapitel gehe ich auf ein Buch aus den USA ein, in dem 27 lesbische Paare über ihre Beziehungsfeier sprechen. In einem zweiten Kapitel fordere ich Kirche auf, ihre Kasualhandlungen, insbesondere die liturgische Begleitung von Paaren, neuen gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen. In einem weiteren Kapitel denke ich über den Segen und das protestantische Eheverständnis nach. Zum Schluss vergleiche ich drei sehr unterschiedliche Liturgien, die bei kirchlichen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare verwendet worden sind.

Die Frage, ob eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft in einem Gottesdienst gesegnet werden kann, hängt natürlich von unserem Verständnis der Homosexualität an sich ab. Wenn man Homosexualität als Krankheit oder Sünde definiert, braucht man sich gar nicht mit Segensgottesdiensten für gleichgeschlechtliche Paare auseinander zusetzen. Da ich weder eine exegetische noch eine ethische oder humanwissenschaftliche Arbeit schreibe, beschränke ich mich, dazu Literaturhinweise zu geben. Dennoch formuliere ich vorab einige Gedanken zu meinem Bibelverständnis.

Die biblischen Texte ernst zu nehmen heisst für mich, sie in ihrer Distanz zu unserer Welt, zu unserer Kultur ernst zu nehmen und von dem Missverständnis wegzukommen, dass man aus den Bibeltexten unmittelbar den Willen Gottes ablesen könnte. In einem Papier des Synodalrats der Kirchen Bern-Jura heisst es sehr treffend: "Mit Bibelstellen hat man die Verbrennung von Hexen, die Folter der Inquisition, die Kreuzzüge, die Verfolgung der Juden und die Unterdrückung der Frauen begründet. Jeder Gebrauch der Bibel, der darauf hinausläuft, dass Menschen benachteiligt werden, muss uns zutiefst misstrauisch machen." [3] In sehr wenigen und nicht zentralen Bibelstellen des AT und des NT werden homosexuelle Praktiken verboten. Über gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen, wie wir sie heute kennen, sagen die biblischen Texte jedoch nichts. Menschliche Lebensformen, auch das Zusammenleben von Frau und Mann, unterliegen einem kulturellen und geschichtlichen Wandel. Es ist m.E. sinnlos, Legitimation für heutige gleichgeschlechtliche Paare in der Bibel zu suchen, wie das manchmal getan wird ( z.B. David und Jonathan, Ruth und Naomi, die "Verschnittenen"). Unsere heutigen Fragen lauten: -Wie können homosexuelle Menschen würdig in einer heterosexuell dominierten Gesellschaft und Kirche leben? -Nehmen Kirche und Politik diese Partnerschaften ernst und eröffnen sie ihnen liturgische bzw. rechtliche Räume? Die Bibel hat ein Zentrum, nämlich die Gottes- und die Nächstenliebe. Ebenfalls ein zentraler Begriff für den jüdisch-christlichen Glauben ist die Gerechtigkeit. Jesus von Nazareth hat Menschen immer wieder verholfen, heil, d.h. in Übereinstimmung mit sich selbst zu leben. Von diesen Zentralpunkten des Glaubens her müssen alle, auch heterosexuelle Lebensformen zu jeder Zeit immer wieder neu überprüft werden. Ebenso dürfen für die Auslegung der Bibel bezüglich der Homosexualität weder die Erfahrungen von Lesben und Schwulen heute, noch die humanwissenschaftlichen Erkenntnisse vernachlässigt werden. Die sexuelle Orientierung wird nicht gewählt, sondern sie ist eine tief in der Persönlichkeit verwurzelte Ausrichtung und gehört wesentlich zu einer Person. Homosexualität kann nicht "geheilt" oder korrigiert werden, ohne die Integrität einer Person zu verletzen. [4]

1.   Die Beziehung feiern

Viele Menschen haben das Bedürfnis, ihre Partnerschaft mit einem Fest zu feiern. Für die meisten Paare - ob homo- oder heterosexuell - stellt ein solches Fest heute nicht mehr den Übergang von einem Lebensabschnitt zum andern dar. Es ist kein Passageritus. Der Auszug aus dem Elternhaus, die Aufnahme einer sexuellen Beziehung und die Eheschliessung fallen nicht mehr zusammen, so wie es früher zumindest gefordert wurde. Gerade in den letzten Jahren wuchs in den homosexuellen Gemeinschaften Nordamerikas und Westeuropas das Bedürfnis nach Partnerschaftssegnungen, Lebensbündnisfeiern, Segensgottesdiensten in- und ausserhalb der religiösen Institutionen. Die Feier einer Partnerbeziehung ist zwar an die Biographien der LebenspartnerInnen geknüpft, hat aber meist auch eine öffentliche und religiöse Dimension. Josuttis bezeichnet das Hochzeitsfest als Fest des Lebens, das die Alltagserfahrungen transzendiert. Weil das Leben nicht nur aus Liebe bestehe, führe das Ereignis von Liebe zum Fest. Und weil man das Fest nur feiern könne, indem man die Alltagserfahrung beiseite schiebe und verdränge, begebe man sich in den Raum der Religion, die die Hoffnung auf vollkommen gelungenes Leben offen halte. [5] Paare drängt es also an ihrem Festtag zur Begegnung mit dem Religiösen und darum manchmal in die Kirchen. Denn sie ahnen, dass das Gelingen ihrer Beziehung nicht allein in ihren Händen liegt. Für ein gleichgeschlechtliches Paar stellt ein öffentliches Fest einen grossen Einschnitt in ihr Leben dar. Eine Lebensform - allzu oft in Verschwiegenheit und Heimlichkeit gelebt -  wird zu einem Fest. Eine Beziehung, der Familie und FreundInnen vielleicht mit Misstrauen begegnet sind, wird gemeinsam gefeiert. PartnerInnen - manchmal von Gefühlen der Scham und tiefen Verletzungen durch Ablehnung von aussen geplagt - erfahren Anerkennung und Freude an einem Fest. Mir scheint es unerlässlich, wenn man eine glaubwürdige Theologie betreiben will, von den Menschen und ihren Bedürfnissen auszugehen und nicht von universalen dogmatischen Lehrsätzen oder von Bibeltexten, die in einem anderen kulturellen Kontext und zu einer anderen Zeit entstanden sind. Theologie kann man nach meinem Verständnis nicht in einer Studierstube "machen". Ich möchte deshalb von homosexuellen Paaren lernen, die ihre Beziehung gefeiert haben. Eine empirische Untersuchung würde den Rahmen meiner Arbeit sprengen. Darum greife ich auf ein sehr eindrückliches Buch zurück. Die US-Amerikanerin Becky Butler hat 27 lesbische Paare - die meisten aus den USA - über ihre Beziehungsfeiern schreiben lassen. Die Paare äussern sich persönlich und offen über ihre Feier und ihre religiösen Ansichten. Die Situation in den USA, v.a. in Kalifornien, wo die meisten Feiern stattfanden, unterscheidet sich von der schweizerischen. Die kalifornische Gesellschaft ist noch pluralistischer und noch multikultureller als unsere. Einige Paare feierten nicht in einer Kirche oder Synagoge, weil sie mehr beeinflusst sind von östlichen Religionen, von der Göttinnen-Religion oder weil sie Elemente ihrer kulturellen Herkunft in die Feier einbringen wollten (Pazifikraum, Lateinamerika, Asien). Aber ausnahmslos alle Paare wollten mit ihrer Beziehungsfeier (Commitment Ceremony) die Rückbindung ihrer Paarbeziehung auf das Göttliche, auf das Heilige ausdrücken. Im folgenden möchte ich den Aussagen der lesbischen Frauen dieses Buches Raum geben und befrage sie auf vier Punkte:

  1. Welches waren die Beweggründe für die Feier?
  2. Was hat sich nach der Feier für das Paar oder die einzelne verändert?
  3. Welche Bedeutung hatte die Feier für die Beziehung zu den Eltern des Paares?
  4. Welche religiösen Aspekte spielten für die Feier eine Rolle?

2.   Beweggründe für die Feier

Für die meisten lesbischen Paare ist die Feier wichtig als Zeichen gegen aussen, als Selbstvergewisserung und als Ausdruck der Verbundenheit mit einer göttlichen Kraft. Vor den FreundInnen und der Familie zu einander zu stehen und auszudrücken, was die andere für sie ist, nämlich nicht bloss eine Freundin oder Wohnpartnerin, sondern die Geliebte und Lebenspartnerin, wird von den Frauen als Akt der Befreiung und Ehrlichkeit erlebt. Für viele war es ein sehr "natürlicher" Wunsch, ihre Liebe mit einem Fest zu feiern.

"By making a public  statement of my love and commitment to Marion, I was saying to others, and, perhaps more  important, to myself, that this was no flash in the pan, short-term affair: Marion would not be dumped by me when things became difficult. (...) The ceremony, and the commitment that came with it, was not a step we took lightly: we only did it once we were quite sure we had the basis for a long-term, loving relationship." [6]

"I think that for me it was also a way to validate that my feelings were real: to make very clear what this relationship was. Since we were relatively closeted at the time, we became distinctly aware of how many lies are involved to stay in the closet. That had seemed all right in our previous relationships since they had only been 'special friendships', but once you actually name something, then I don't think you can really lie about it anymore. Words are very powerful to our subconscious selves. When you constantly hear yourself answering questions by saying, 'No, I'm not married', or 'Yes, I'm single', somewhere in your subconscious, you believe you' re really not married - that if this relationship doesn't work out, you'll just go on  to the next one." [7]

Die meisten Paare wollten mit der Feier bei FreundInnen und der Familie grössere Akzeptanz und grösseren Respekt für ihre Beziehung erwirken. Einige Paare erhofften sich Stabilität für ihre Beziehung. Sie wollten öffentlich aussprechen, dass sie in guten und schlechten Tagen zusammen gehören und auch Unterstützung von FreundInnen und Familie dafür erwarten. Einige Paare hatten Mühe mit den Begriffen Ehe, Heirat, Hochzeit, weil bei diesen zu viel "patriarchaler Ballast" mitschwingt oder weil mit diesen Ausdrücken Beziehungen aufgewertet werden sollen, die keiner Aufwertung bedürfen, da sie schon an sich wertvoll sind. Andere Paare haben bewusst eine ganz traditionelle Hochzeit gewählt, weil sie sich in keiner Weise von heterosexuellen Paaren unterschieden fühlen. Einige Paare wünschten die Feier wegen der Kinder, die sie gemeinsam aufziehen.

"I think that in some ways having Kaitlin played a part in wanting to have a ceremony. We would have done it anyway, but with Kaitlin there I felt even more like I wanted us to be seen as a couple and also as a family." [8]

3.   Veränderungen für das Paar durch die Feier

Keines der Paare bereute die Feier. Sie gab ihnen Kraft, um Konflikte in der Beziehung auszuhalten und nicht bei der ersten Schwierigkeit aufzugeben. Sie ermöglichte den Paaren Selbstvergewisserung, Selbstannahme und das Wissen darum, dass ihre Partnerschaft wertgeschätzt ist. Die Feier half, die Akzeptanz der Partnerschaft bei FreundInnen und der Familie zu erhöhen. Sie hatte einen integrativen Charakter. Menschen mit verschiedenen Hintergründen waren versammelt und feierten zusammen die Beziehung. Die Feier bedeutete für einige Paare Befreiung, Erlösung und Überwindung der Scham, lesbisch zu sein.

"When I read back over our ceremony or watch the video, I am repeatedly touched by the love. Nancy and I were able to stand up in front of all those people and be completely open to each other and to others. We had finally laid down - outside somewhere - the last remnants of our shame, and we were able to rejoice." [9]

4.   Die Beziehung zu den Eltern

Einige Paare entschieden sich, ihre leiblichen Familien nicht zum Fest einzuladen, weil sie annahmen, dass diese mit der Feier nicht zurecht kämen. Sie wollten sich an ihrem Beziehungsfest nicht um verletzte Gefühle ihrer Familienmitglieder kümmern. Andere luden ihre Eltern und Familien ein, aber diese kamen nicht. Das hat natürlich Verletzungen ausgelöst. Manche Eltern wohnten der Feier bei und empfanden diese als wichtiges, schönes, die Beziehung zu ihrer Tochter klärendes Ereignis. Auch bei den abwesenden Eltern hat die Feier einen Prozess des Nachdenkens ausgelöst und nachträglich zu einer besseren Verständigung zwischen der lesbischen Tochter und ihren Eltern geführt.

"Since then she's asked (die Mutter) a million questions about it. She and my dad once sat down with us, and we showed them our wedding slides. I've also shown her the invitation, and she wants me to take  her to the church where we had the ceremony. I think she feels like not being there was a real loss. That was a big point in my life, and I feel like she's trying to put the pieces together to make it real for her. " [10]

5.   Religiöse Aspekte

Viele lesbische Paare wollten mit ihrer Partnerschaftsfeier ihre Verbundenheit mit einer göttlichen Kraft ausdrücken. Mit der Feier sollte gezeigt werden, dass ihre Partnerschaft Teil der guten Schöpfung Gottes und Teil einer religiösen Tradition ist. Sie wünschten sich Gottes Segen für das Wachstum und zum Schutz ihrer Beziehung. Sie wollten in einer religiösen Feier die Begegnung mit der Partnerin als Geschenk Gottes deuten. Nur wenige Paare hatten tatsächlich eine kirchliche Feier. Aber einige, die in einem privaten Raum feierten, hatten eine Pfarrerin/einen Pfarrer dabei. Den Kontakt zu einer geistlichen Person beschrieben die Paare als wertvoll und hilfreich. Die Paare, die in einer Kirche oder Synagoge feierten, taten das fast ausschliesslich in einer MCC-Kirche oder Gay-Synagoge. [11]  Diese Tatsache deute ich so, dass die Paare für ihre Feier einen Ort wählten, der ihnen ein Stück Heimat bot, zu dem sie eine Beziehung hatten. Die traditionellen Kirchen waren schlicht nicht in ihrem Blickfeld. Nur ein Paar feierte in seiner Herkunftskirche, einer Quäker-Gemeinde, von der es viel Unterstützung erhielt. Viele Paare hatten Feiern in privaten Räumen oder im Freien und füllten sie mit multireligiösen Inhalten. Andere Paare verwendeten in der Liturgie biblische Texte oder Texte feministischer Theologinnen. V.a. jüdischen Paaren war eine Feier mit traditionellen jüdischen Hochzeitselementen wichtig.

"One thing I cherish from our ceremony is the part where we say, 'To deny one another is to deny God'. It really defines the price of hiding. To us losing God means losing the best part of yourself." [12]

"The traditional Quaker vow begins with, 'In the presence of God and these our friends ...'. And both parts of that felt important to me. I wanted to make that commitment before my spiritual community and before the Spirit." [13]

"Part of wanting a real church wedding was also because I wanted the ceremony to have a spiritual component. For me , getting married includes a spiritual commitment (...). The presence of that religious aspect denotes a certain seriousness to me." [14]

Die Beziehung zu feiern ist also nicht nur ein unbestimmtes religiöses Bedürfnis lesbischer oder schwuler Paare. Der Wunsch, die Beziehung zu feiern, ist bei gleichgeschlechtlichen Paaren kein unüberlegter Akt oder ein "Nachäffen" der heterosexuellen Hochzeit, sondern entspringt dem Glauben an die Liebe und der Hoffnung, diese Liebe in Würde leben zu können. Eine Segensfeier bringt etwas in Gang, eröffnet Zukunft für das Paar, die FreundInnen und die Familien. Sie hat einen befreienden, sinnstiftenden und erlösenden Charakter. Sie ermöglicht religiöse Erfahrung und das Leben der Beziehung auch in schwierigen Zeiten.

Es sprechen also v.a. drei Gründe für Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare.

  1. Die Bindungszeremonie kann für das Paar selber, aber auch für seine FreundInnen und seine Familie ein Zeichen sein, dass dauerhafte Liebesbeziehungen zwischen homosexuellen Menschen möglich sind, obwohl es nur wenige Vorbilder gibt. Das Wissen, dass seine Familie und FreundInnen zu seiner Partnerschaft stehen, stärkt das Paar. Eine Segensfeier hat einen integrativen Charakter. Es wird ausgedrückt, dass das Paar Teil der Gemeinschaft von Familie und FreundInnen ist und auf ihre Unterstützung zählen kann.
  2. Das Vertrauen, dass die Partnerschaft unter dem göttlichen Segen steht, dass man in seiner Beziehung in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes lebt, wirkt motivierend und gibt Kraft für den Beziehungsalltag.
  3. Die Beziehung mit einem Fest zu feiern, verhilft zur Wertschätzung der eigenen Partnerschaft gegenüber. Ein Fest der Liebe setzt Energie und Begeisterung frei. Es schafft Erinnerungen, die immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden können. [15]



Vorwort,   Teil 1,   Teil 2,   Teil 3,   Anhang

[1] In meiner Arbeit verwende ich die Begriffe Lesben und Schwule, weil sie die Selbstbezeichnungen von Lesben und Schwulen sind. Homosexualität/homosexuell verwende ich als Gegenbegriffe zu Heterosexualität/heterosexuell. Der Begriff Homophilie ist mir unsympathisch. Erstens spricht man auch nicht von Heterophilie, zweitens ist er nahe bei der Pädophilie, drittens ist er ungenau. Freundschaftliche Beziehungen zu Menschen des eigenen Geschlechts pflegen doch die meisten Menschen.

[2] Diese führt seit einigen Jahren, v.a. an ihren Pfingstkongressen "Heilungsveranstaltungen" für Homosexuelle durch. Homosexuelle sollen zu Heterosexuellen umgepolt werden oder zumindest sexuell abstinent leben.

[3] Evangelisch Reformierte Kirchen Bern-Jura, Gleichgeschlechtlichkeit 3.

[4] Besonders erhellend für die humanwissenschaftlichen Erkenntnisse finde ich das Buch des an der Uni Basel  lehrenden Psychoanalytikers Udo Rauchfleisch, Schwule, Lesben, Bisexuelle. Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten, Göttingen 1994.
Zum Thema gesunde und pathologische Religion empfehle ich das Buch des schwulen Ex-Jesuiten und Psychotherapeuten John J. McNeill, "Sie küssten sich und weinten ..." (siehe Literaturliste).
Ebenso empfehlenswert zum Thema Homosexualität und Kirche sind die Bücher von Hans-Georg Wiedemann, Homosexuell. Das Buch für homosexuell Liebende, ihre Angehörigen und ihre Gegner, Stuttgart 1995 (V.a. exegetisch interessant darin ist das Kapitel von Rainer Stuhlmann 107-122);
Barbara Kittelberger/Wolfgang Schürger/Wolfgang Heilig-Achneck (Hrg.), Was auf dem Spiel steht. Diskussionsbeiträge zu Homosexualität und Kirche, München 1993 (Exegetisch interessant darin ist der Beitrag von Wolfgang Stegemann 262-285);
Monika Barz/Herta Leistner/Ute Wild (Hrg.), Hättest du gedacht, dass wir so viele sind? Lesbische Frauen in der Kirche, Stuttgart 1987 (mit einem ausgezeichneten exegetischen Beitrag der Neutestamentlerin Bernadette J. Brooten 113-138).
Zum  Thema Homophobie  empfehle ich: Beverly W. Harrison, Die neue Ethik der Frauen. Kraftvolle Beziehungen statt blossen Gehorsams, Stuttgart 1991 (v.a. das Kapitel Frauenfeindlichkeit und Furcht vor Homosexualität 103-133).

[5] Vgl. Josuttis, Traugottesdienst 60f.

[6] Butler, Ceremonies 151.

[7] a.a.O. 174f.

[8] a.a.O. 245.

[9] a.a.O. 219.

[10] a.a.O. 177.

[11] Eine wichtige Kirche für Lesben und Schwule in den USA und teilweise in Europa ist die "Universal Fellowship of Metropolitan Community Churches" (MCC), die von Pfarrer Troy Perry 1968 in den USA gegründet wurde, nachdem er wegen seines Schwulseins aus seiner Pfingstkirche ausgeschlossen worden war. Die MCC ist m.E. eine sehr traditionelle, stark strukturierte Kirche mit einem konservativen Glaubensbekenntnis. In Europa gibt es MCC-Kirchen in Grossbritannien, Paris und Hamburg.

[12] a.a.O. 255.

[13]a.a.O. 245.

[14] a.a.O. 135.

[15] Besonders homosexuelle Beziehungen werden in einer heterosexuellen Umwelt allzu oft als problem-behaftet wahrgenommen, häufig auch vom Paar selbst. Zudem ist das Entdecken der eigenen Homosexualität in den wenigsten Fällen mit Freude verbunden, eher mit Gefühlen der Angst, der Schuld und der Scham. Auch reagieren die meisten Eltern kaum mit überschwänglicher Freude auf die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ihres Kindes. Oft werden sie ebenso von Schuldgefühlen geplagt und brauchen ihre Zeit, ihre lesbische Tochter/ihren schwulen Sohn zu akzeptieren. Ein Fest könnte dabei helfen. Vgl. J.J. McNeill, Sie küssten sich (v.a.das Kapitel über Schuldgefühle 70-90).

Dieser Text wurde gedruckt aus der Website der Lesbischen und Schwulen Basiskirche Basel WWW.LSBK.CH
herzlichen Dank für Ihr Interesse.