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Brigitte Hauser Seine Liebe zu verleugnen, 3. Teil 8. Drei Liturgien für gleichgeschlechtliche Paare im Vergleich 8. Drei Liturgien für gleichgeschlechtliche Paare im Vergleich[58]Segensgottesdienst für die Lebensgemeinschaft eines schwulen Paares in Bern [59]Im Juli 1995 fand zum ersten Mal in der Schweiz eine offizielle Feier für ein gleichgeschlechtliches Paar in einer reformierten Landeskirche statt. Die Berner Feier war ein riesiges Medienspektakel. Viele Zeitungen, Illustrierte und das Schweizer Fernsehen fanden sich ein, um Bilder der "Schwulenhochzeit" einzufangen. Die Feier konnte mit der Einwilligung der Berner Landeskirche stattfinden, da Pfarrer Klaus Bäumlin, den Synodalrat schon im Frühjahr 1995 informiert hatte. Der Synodalrat fand darauf in der Kirchenordnung einen Artikel, der mit gutem Willen und weiter Interpretation eine solche Feier zuliess.[60] Allerdings stösst dieser Artikel bei Lesben und Schwulen nicht auf riesige Begeisterung. Der Synodalrat findet jedoch nicht, dass mit diesem Artikel und dem Namen Fürbittegottesdienst Lesben und Schwule in die Nähe von Kranken und Behinderten gerückt werden. "Der Synodalrat ist der Auffassung, dass Artikel 28 Beispiele von Menschen in besonderen Lagen aufzählt (die Aufzählung ist also nicht abschliessend), dass zu diesen auch Homosexuelle gehören, die ihr Leben miteinander teilen wollen."[61] Der Berner Synodalrat beschloss also gleichgeschlechtlichen Paaren Fürbittegottesdienste zu ermöglichen, ersuchte aber die Beteiligten, auf Elemente zu verzichten, die traditionellerweise zu einer Trauung gehören.[62] Pfr. Klaus Bäumlin hatte am 8. Juli 1995 eine delikate Aufgabe zu lösen. Einerseits waren da die Erwartungen des schwulen Paares, seiner FreundInnen und seiner Familien und die Hoffnungen der noch kirchlich interessierten lesbisch-schwulen Gemeinschaft. Andererseits stand Bäumlin unter Beobachtung der Berner Kirchenbehörden und einiger skeptisch bis negativ eingestellter Kirchenmitglieder. Dazu kam das enorme Medieninteresse an dieser Feier. Pfr. Bäumlin hat seine Aufgabe meiner Meinung nach sehr gut gelöst und sich im Umgang mit den Medien offen und kooperativ gezeigt. Er hat aber auch Grenzen gesetzt, so z.B. die Medien während des Gottesdienstes nicht zugelassen. Er hat die kirchlichen Behörden frühzeitig informiert und seine Erwägungen kundgetan und die Feier sensibel für die Anliegen des Paares und seiner Angehörigen, aber auch für noch skeptische ChristInnen gestaltet. Trotz dieser Anstrengungen wurde Bäumlin nachträglich vom Synodalrat gerügt, sich nicht an den Rahmen der Kirchenordnung gehalten, sondern eine Trauung imitiert zu haben.[63] Meines Erachtens sind die Vorwürfe gegen Bäumlin aus drei Gründen ungerechtfertigt:
Bäumlin gelingt es in seinem Gottesdienst, eine Verbindung herzustellen zwischen der Kirche, die sich ihrer für Homosexuelle schmerzvollen Geschichte erinnert, und vielen bunten, schrillen und stillen Lesben und Schwulen, die in der Kirche anwesend waren, also zu vielfältigen Lebensgeschichten von Homosexuellen. Die Kultur, die sich die homosexuelle Gemeinschaft aufgebaut hat, fand im Raum der Kirche Platz (u.a. als schwuler Männerchor). Zu Anfang des Gottesdienstes legte Bäumlin sein Bibelverständnis dar. Er brachte einen Bibeltext (Gen 2,18) sinnvoll mit einer homosexuellen Liebesbeziehung in Verbindung. Er deutete ihn auf die wesentlich im Menschen angelegte Beziehungshaftigkeit. Bäumlin blendete in seiner Predigt weder die schwierigen Seiten einer Partnerschaft, noch das Leid der Welt vollkommen aus. Er verband die Lebensgeschichten dieser zwei Menschen mit der Geschichte Gottes. Er wies darauf hin, dass menschliches Wollen und menschliche Anstrengung allein nicht genügen, und deshalb Gottes Segen wichtig sei für eine Partnerschaft. Bäumlin wendete sich in seiner Predigt auch an Eltern und Familien der Lebenspartner und an Menschen, die gegenüber kirchlichen Segensfeiern für homosexuelle Paare skeptisch eingestellt sind. Das Paar und die GottesdienstteilnehmerInnen waren während der Feier vorwiegend passiv. Der Gottesdienst scheint v.a. vom Pfarrer gestaltet worden zu sein; er ist eher wort- und pfarrerzentriert. Ein volkskirchliches Kirchenverständnis steht hinter diesem Segensgottesdienst. Kirche bietet ihre "Dienstleistung" an, ist offen für ein breites Publikum, das sich nicht nur aus traditionellen KirchgängerInnen zusammensetzt, und nimmt die Menschen, wo sie auch stehen, ernst. Bäumlins Predigt ist eine plausible Predigt, die "mit dem Anfang anfängt". Er setzt keine christlichen Vorkenntnisse voraus und versteckt sich nicht hinter dogmatischen Formeln. Seine Predigt ist verständlich. Mir gefällt Bäumlins Gottesdienst sehr gut, weil er einfühlsam ist und Rücksicht nimmt auf die Erstmaligkeit einer offiziellen kirchlichen Segensfeier für ein gleichgeschlechtliches Paar. Der Gottesdienst enthält die Elemente Predigt, Versprechen, Bekenntnis, Segen, Gebet, Ringtausch. Das Versprechen ist so formuliert, dass es Offenheit und Raum für die Zukunft lässt. Die, die das Versprechen ablegen, werden daran erinnert, dass menschliche Liebe ihre Kraft von Gott bekommt, und sie sich als Geschenk Gottes füreinander erfahren dürfen. Partnerschaftssegnung in der Basisgemeinde MCC-Hamburg[64]Das Formular der MCC-Hamburg ist kein feststehendes Formular für Partnerschaftssegnungen. Die MCC will die Liturgien nach den individuellen Bedürfnissen der Paare gestalten. Das ausgearbeitete Formular stellt nur einen Querschnitt aus den verschiedenen Gottesdiensten dar, in denen Partnerschaftssegnungen gefeiert wurden. Wenn ich das Formular der MCC richtig interpretiere, hat die Partnerschaftssegnung ihren Platz im Rahmen des wöchentlichen Gemeindegottesdienstes und ist kein Anlass für sich. Auf jeden Fall stimmt die Gemeinde, die bei der Partnerschaftssegnung anwesend ist, mit der üblichen Gottesdienstgemeinde weitgehend überein. Im MCC-Formular steht die Gemeinde im Vordergrund. Das Versprechen wird vor Gott und der Gemeinde abgelegt. Das Paar sieht sich als Teil der Gemeinde. Die MCC ist keine Volkskirche, sondern eine Basisbewegung, eine homogene Gruppenkirche. Der Segen wird dem entgegengesetzt, was die Beziehung bedroht. Er ist als Schutz und Bestätigung Gottes für die Beziehung verstanden. Das Paar stellt sich unter diesen Segen. Es wird betont, dass die Segnung keine Eheschliessung ist. Ebenso wird hervorgehoben, dass der Segensgottesdienst nicht eine vorher illegitime Partnerschaft legitimiert oder aufwertet, da eine Partnerschaft die Legitimation nicht durch den Segen, sondern durch die Liebe Gottes, die sie trägt, erhält. Das Versprechen wird mit der liturgischen Formel "Ja, mit Gottes Hilfe" beantwortet, um eine Überforderung zu vermeiden. Nicht die Liturgin, der Liturge allein bittet Gott um den Segen, sondern die ganze Gemeinde. Die Gemeinde hält sich dazu an den Händen und bildet einen Kreis um das Paar. Das Paar und die Gemeinde wiederholen jeweils gemeinsam die Formel "Dafür bitten wir um Deinen Segen, o Gott!" Als Bibellesung schlägt die MCC Hohelied 8,6f oder 1Kor 13 vor. Zeremonie für das Lebensbündnis eines lesbischen Paares[65]Diese Zeremonie fand 1982 in einer Methodistischen Kirche in Illinois/USA statt. Ein Paar beschliesst mit seinen FreundInnen, die ihm zur Familie geworden sind, den Beginn eines neuen Abschnitts seiner Lebensreise zu feiern. Das Paar führt die Liturgie zum grössten Teil selber durch. Die anderen TeilnehmerInnen der Zeremonie äussern spontan ihre Gedanken und Segenswünsche für das Paar. Menschen sprechen also Menschen Segen zu. Die ganze Gemeinde spricht anschliessend zusammen ein Bekenntnisgebet. Gott wird darin als ein Gott der Freiheit und der Ganzheit angesprochen, der den Menschen die Möglichkeiten der Freiheit und der Bindung gegeben hat, aber auch die Kraft, diese Möglichkeiten zu verwirklichen. Als Bibellesung wird Ruth 1,6-18 gewählt. Zu diesem Text werden Gedanken über die Bedeutung von Lebensbündnissen und Familienbindungen formuliert. Auch diese Feier beinhaltet ein Versprechen, das sich das Paar gemeinsam gibt. Es ist ein selbstformuliertes Versprechen. "Unter allen Menschen, die in mein Leben getreten sind, habe ich Dich auserwählt, um ein Lebensbündnis mit Dir zu schliessen. Mit Dir und um Dich will ich mein Leben neu ordnen. Ich freue mich über das Geschenk dieser Bindung und über mein Bemühen, das Geschenk der Liebe zu geben."[66] Mir gefällt dieses Versprechen, weil einerseits die Selbstverantwortung des Menschen für seine Partnerwahl angesprochen ist, andererseits aber die Bindung und die Liebe als Geschenk erlebt werden. Gottes Wirken und menschliches Wirken sind darin aufeinander bezogen. Das Lebensbündnis wird durch die Gemeinde vor Gott bestätigt. Anders als in den beiden anderen Liturgien ist der Ringtausch zu einer grösseren Symbolhandlung ausgebaut worden. Zudem enthält die Liturgie ein symbolhaftes Kommunionsritual, das an die schwierige Situation der Vergangenheit erinnern und Hoffnung für die Zukunft eröffnen soll. Diese Liturgie ist v.a. durch das Paar selbst bestimmt, die Liturgin spielt nur eine sehr nebensächliche Rolle. Die Feier lässt Offenheit für spontane Reaktionen der FreundInnen. Das Paar gebraucht keine religiösen Formeln, es spricht nur aus, was ihm plausibel ist. Symbole spielen eine grosse Rolle, um das auszudrücken, was nicht in Worte gefasst werden kann. Die drei Liturgien im VergleichEs gibt für homosexuelle Paare, wie wir gesehen haben, sehr vielfältige Liturgien. Die hier untersuchten tragen alle einen anderen Namen, alle kommen aus einem andern Land und repräsentieren ein anderes Kirchenverständnis und eine andere Theologie. Die erste Liturgie ist pfarrer- und wortzentriert. Die zweite Liturgie enthält eine eher formelhafte Sprache. Die Gemeinde spielt eine wesentliche Rolle. Die dritte Liturgie, die das Paar selbst gestaltet hatte, lässt viel Offenheit für spontane Reaktionen der Gemeinde. In ihr haben Symbolhandlungen ein grosses Gewicht. Die erste Liturgie setzt ein volkskirchliches Kirchenverständnis voraus, die zweite ein gruppenkirchliches, die dritte orientiert sich an der Frauenkirchenbewegung. Hinter der ersten Liturgie verbirgt sich formal eine liberale und inhaltlich eher eine befreiungstheologische Theologie, hinter der zweiten steht eine eher traditionelle bekenntnisorientierte Theologie, die dritte ist von der feministischen Befreiungstheologie beeinflusst. Trotzdem gibt es Elemente, die in allen drei Liturgien vorkommen und als wichtig erachtet werden. Alle Liturgien wurden in einer Kirche gefeiert. Die Partnerschaft wird in einen Kreis von Menschen gestellt, die ihr wohlwollend gegenüberstehen und um deren Unterstützung die PartnerInnen bitten. Die GottesdienstteilnehmerInnen drücken mit ihrer Anwesenheit und Beteiligung in allen drei Liturgien aus: Wir nehmen euch als Paar ernst, ihr gehört in unsern Augen zusammen, wir wollen euch auch in schwierigen Situationen beistehen.[67] Ebenso wird in allen drei Liturgien die Partnerschaft vor Gott gestellt. Es wird um seinen Segen und Beistand, seinen Schutz und seine Kraft gebittet, damit die Partnerschaft immer wieder gut gelebt und für andere zum Segen werden kann. Die Partnerschaft wird als Geschenk Gottes angenommen und dafür gedankt. Alle Liturgien enthalten einen Bibeltext mit einer ganzen Predigt oder einer kürzeren Meditation darüber. In allen drei Liturgien gibt es ein Versprechen, das sich die PartnerInnen geben. Im Versprechen wird die Absicht ausgedrückt, gute und schlechte Tage miteinander zu teilen. Ein weiterer konstitutiver Teil ist das Gebet. Die drei Liturgien zeigen, dass es möglich ist, in ganz verschiedener Form und in christlicher Tradition gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu feiern. Die Liturgien könnten mit kleinen Änderungen auch von heterosexuellen Paaren übernommen werden. 9. SchlussbetrachtungenDie Partnerschaftssegnung drängt es nicht zwangsläufig in die Kirche, aber es drängt sie zur Religion. Die meisten Menschen haben ein Bedürfnis, sich religiös auszudrücken, ihr Leben, ihre Beziehungen in einen grösseren Zusammenhang zu stellen, sie in Verbindung mit dem Heiligen, mit Gott zu bringen. Viele Menschen möchten ihre Partnerschaft Gott anheim stellen. Im Akt des "Anheimstellens" drücken Menschen aus, dass sie nicht restlos über sich selber verfügen, dass sie ein Anliegen haben, das ihre eigene Kapazität übersteigt. Seine Partnerschaft Gott anheimzustellen heisst aber nicht, selber untätig zu bleiben. Indem man seine Partnerschaft Gott anbefiehlt, wird man befähigt, seine Lebensgeschichte neu zu interpretieren. Dieser Akt stiftet Lebenssinn, setzt Lebenskraft frei. Religiöse Traditionen stellen ein Deutungsmuster für das Leben von Menschen zur Verfügung. In den letzten Jahren ist bei Lesben und Schwulen ein Sehnen nach religiösem Ausdruck öffentlich geworden. "Established Churches have systematically condemned lesbians and gay men for centuries on moral, biblical, and theological grounds. The result is a tremendous hunger for worship services that honor lesbian and gayexperiences."[68] Lesben und Schwule - lange Zeit spirituell exkommuniziert - sehnen sich danach, ihre religiöse Erfahrung auch öffentlich zu leben. Viele wollen in Gottesdiensten etwas von der kreativen, befreienden, emanzipatorischen, heilenden und transformierenden Kraft des christlichen Glaubens erfahren. Sie wollen das Christentum nicht mehr einfach als homosexuellenfeindlich, sondern als lebensfördernd erleben. Sie verlangen nach einer liturgischen Begleitung ihrer Partnerschaften. Die Frage ist, ob Kirche es schafft, die gesellschaftlich zunehmende Akzeptanz von Homosexuellen wahrzunehmen und darauf zu reagieren, mit ihren homosexuellen Gemeindegliedern ins Gespräch zu kommen, auf ihre Erfahrungen zu hören und nicht zuletzt humanwissenschaftliche Erkenntnisse ernst zu nehmen. Die Kirchen sind aufgefordert, in der Beurteilung der Homosexualität im wahrsten Sinne des Wortes über ihren eigenen Schatten zu springen. Mir scheint es einerseits wichtig, bei der kirchlichen Segensfeier für ein homosexuelles Paar an irgendeiner Stelle und in irgendeiner Form zum Ausdruck zu bringen, dass die Geschichte der Kirche mit den Homosexuellen weitgehend eine Geschichte der Verfolgung und Verletzung war und zum Teil noch ist. Ich kenne keine kirchlich engagierten Lesben und Schwulen, die nicht irgendwann einmal, in irgendeiner Form von Kirche oder ihren Mitgliedern in ihrer Würde verletzt worden wären. Dieser Schmerz, aber auch die Wut dürfen nicht einfach verdrängt, sondern müssen verarbeitet werden. Eine Art der Verarbeitung kann sein, den Schmerz und die Wut im Raum der Kirche auszusprechen oder zur Darstellung zu bringen. Natürlich dürfen Lesben und Schwule auch nicht in eine letztlich lähmende Opferhaltung verfallen. Für ebenso wichtig halte ich andererseits, dass in einer kirchlichen Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare die Kraft, die Buntheit, die Solidarität, die Kreativität der homosexuellen Gemeinschaft mit der Lebenskraft des christlichen Glaubens in Verbindung gebracht wird. Das könnte geschehen durch die Anwesenheit von anderen Lesben und Schwulen im Gottesdienst, aber auch durch Lieder eines schwulen Sängers, durch die Gestaltung der Liturgie durch ein lesbisches Paar, durch das Lesen eines Textes einer lesbischen Schriftstellerin oder Theologin, durch die Dekoration des Raumes und durch die Verwendung von Symbolen aus der lesbisch-schwulen Kultur, z.B. einer Kerze in Regenbogenfarben oder einer Regenbogenflagge. Gerade um den Regenbogen als Symbol des ewigen Bundes zwischen Gott und den Menschen aus der jüdisch-christlichen Tradition und den Regenbogen als Zeichen der Buntheit und Vielfalt aus der lesbisch-schwulen Tradition liesse sich eine eindrückliche Feier gestalten. Auf jeden Fall braucht es m.E. eine Art "Inkulturation" der Feier in die lesbisch-schwule Kultur, wenn die vielen kirchlich entfremdeten Lesben und Schwulen in der Kirche wieder Heimat finden sollen. In einer kirchlichen Segensfeier für ein homosexuelles Paar erscheint mir neben dem Gebet und dem Segen eine öffentliche Absichtserklärung des Paares in irgendeiner Form wichtig. Ich habe keine Liturgie gefunden, in der diese fehlt. Es geht bei der Absichtserklärung nicht um ein unrealistisches Versprechen, das die Zukunft verbaut oder das missachtet, dass sich Menschen verändern. Gerade für eine kirchlich bis jetzt noch immer "ungeliebte Liebe"[69] kann es aber ein Akt der Erleichterung, ja gar der Erlösung sein, in der Öffentlichkeit, also vor FreundInnen, der Familie und Gott in einer liturgischen Formel die Liebe zueinander in guten und schlechten Tagen auszusprechen und zu bekräftigen. Gottesdienste sind Unterbrechung des Alltags. In einer kirchlichen Feier für gleichgeschlechtliche Paare steht das Paar unter dem Ja Gottes. Im absoluten Ja Gottes können die PartnerInnen einander ihr - wenn auch bloss fragmentarisches - Ja zusprechen. Ein anderer wichtiger Aspekt der Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare scheint mir die Dimension des Festes zu sein. Der Gottesdienst bietet einen zweckfreien Raum. Nichts braucht erklärt oder verteidigt zu werden. Die Lebensform ist nicht Gegenstand endlosen Problematisierens, sondern Grund zum Feiern und zur Freude, die ausgedrückt werden will. Meine Ausführungen will ich mit einem mir lieben Bibelzitat beschliessen. "Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm." 1.Joh 4,16 10. LiteraturlisteBäumlin, Klaus, Einige Erwägungen zu einer kirchlichen Segensfeier für eine homosexuelle Partnerschaft, 2.Juni 1995, 1-4 (unveröffentlicht). Ders., Segensgottesdienst für die Lebensgemeinschaft von Stephan Diggelmann und Bareld Storm, am 8.Juli 1995 in der Nydegg Kirche, 1-18 (unveröffentlicht). Barben-Müller, Christoph, Segen und Fluch. Überlegungen zu theologisch wenig beachteten Weisen religiöser Interaktion, in: Evangelische Theologie, 55. Jg. Heft 4, 1995, 351-373. Basler Zeitung Nr. 86 vom 12.4.1996, Mehr Kircheneintritte 9. Bukowski, Peter, "Ein sakramentales Missverständnis der Ehe" Gespräch mit Peter Bukowski, dem Moderator des Reformierten Bundes, in: Reformierte KirchenZeitung 8, 136. Jg. 1995, 364-366. Butler, Becky (Hrg.), Ceremonies of the Heart. Celebrating Lesbian Unions, Washington 1990. EKD Texte 57, Mit Spannungen leben. Eine Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema "Homosexualität und Kirche", Hannover 14. März 1996. Evangelisch Reformierte Kirchen Bern-Jura, Kirche und Gleichgeschlechtlichkeit. Aufbruch in den reformierten Kirchen Bern-Jura, eine Antwort auf viele Zuschriften, Bern 1995, 1-5. Evangelische Kirche im Rheinland Landessynode 1992. Homosexuelle Liebe. Arbeitspapier für rheinische Gemeinden und Kirchenkreise (Ort nicht gegeben),13-65. Gräb Wilhelm, Rechtfertigung von Lebensgeschichten. Erwägungen zu einer theologischen Theorie der kirchlichen Amtshandlungen, in: Pastoraltheologie 76. Jg. 1987, 21-38. Josuttis, Manfred, Der Traugottesdienst, in: Wintzer, Friedrich, Praktische Theologie, Neukirchen- Vluyn 41993, 53-65. Ders., Gottesliebe und Lebenslust. Beziehungsstörungen zwischen Religion und Sexualität, Gütersloh 1994. Kirchenrat des Kantons Zürich (Hrg.), Kirchenbuch 2/1. Gottesdienst bei der Trauung, Zürich 1973, V-XXIV. Kittredge, Cherry/ Zalmon, Sherwood (Hrg.), EqualRites. Lesbian and Gay Worship, Ceremonies, and Celebrations, Louisville, Kentucky 1995. Lienemann, Wolfgang, "Ehe und Familie für alle?" in: Institut für Sozialethik des SEK (Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund) (Hrg.), Ehe und Familie für homosexuelle Paare? Rechtliche und ethische Aspekte, Bern 1995,8-41. McNeill, John J., Sie küssten sich und weinten. Homosexuelle Frauen und Männer gehen ihren spirituellen Weg, München 1993. Müller, Theophil, Konfirmation, Hochzeit, Taufe, Bestattung. Sinn und Aufgabe der Kasualgottesdienste, Stuttgart 1988. Pannenberg, Wolfhart, Christliche Rechtsüberzeugungen im Kontext einer pluralistischen Gesellschaft, in: Zeitschrift für Evangelische Ethik 4/1993, 256-266. Partnerschaftssegnung in der Basisgemeinde MCC-Hamburg, Kleiner Pulverteich 17-21, 20099 Hamburg, (ohne Datum)1-7. Radford Ruether, Rosemarie, Unsere Wunden heilen, unsere Befreiung feiern. Rituale in der Frauenkirche, Stuttgart 1988. Schildchrott. Zeitschrift des ökumenischen Vereins "Homosexuelle und Kirche Schweiz", 4/95, Einsegnung von Homosexuellen, (Ort nicht gegeben), 26-28. Stuhlmann, Rainer, Homosexuelle Liebe. Was die Bibel sagt - und was sie nicht sagt, in: Reformierte KirchenZeitung 6, 136. Jg. 1995, 259-266. Ders., Trauung und Segnung. Biblisch-theologische Gesichtspunkte für die Diskussion aktueller Fragen, in: Pastoraltheologie 84, August 1995 Heft 8, 487-503. Tessina, Tina, In guten wie in schlechten Tagen. Anregungen für homosexuelle Paare, Hamburg 1991. [58] Die drei Liturgien befinden sich im Anhang. [59] Vgl. Bäumlin, Segensgottesdienst 1-18. [60] Artikel 28: "Kinder, die nicht getauft werden, und ihre Eltern können in eine persönliche Fürbitte eingeschlossen werden. Dies gilt auch für andere Gemeindeglieder in einer besonderen Lebenslage wie Kranke, von einem schweren Schicksal Betroffene oder vor einer grossen Verantwortung Stehende. Sie sollen auf diese Weise den Zuspruch des Evangeliums und das Mittragen der Gemeinde erfahren." Evangelisch Reformierte Kirchen Bern-Jura, Gleichgeschlechtlichkeit 4. [61] ebd. [62] Vgl. ebd. [63] Vgl. a.a.O. 1. [64] Vgl. Partnerschaftssegnung in der MCC-Hamburg 1-7. [65] Vgl. Radford Ruether, Befreiung 217-220. [66] a.a.O. 218. [67] Ein anderes Beispiel dafür: An einer nicht im kirchlichen Rahmen stattfindenden Partnerschaftsfeier eines befreundeten lesbischen Paares wurde die Wichtigkeit des FreundInnenkreises in einer Symbolhandlung dargestellt. In einen grossen Webrahmen waren zwei Bänder eingeflochten, die die Lebensreise der beiden Frauen symbolisierten, zuerst ohne die andere, dann miteinander. Die anwesenden FreundInnen hatten die Aufgabe, ihr mitgebrachtes farbiges Band ebenfalls einzuweben, um damit auszudrücken, dass ihr Leben mit dem Leben des Paares verflochten ist. [68] Cherry/Sherwood, Rites XI. [69] Vgl. Josuttis, Gottesliebe 94. |
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