Brigitte Hauser

Seine Liebe zu verleugnen, heisst Gott zu verleugnen

Anhang


Vorwort,   Teil 1,   Teil 2,   Teil 3,   Anhang

Segensgottesdienst für die Lebensgemeinschaft von Stephan Diggelmann und Bareld Storm am 8.Juli 1995 in der Nydeggkirche

"Ich kenne meine Gedanken, die ich über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Heils sind es, nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben. Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, so erhöre ich euch. Sucht ihr nicht, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden." (Jer. 29,11-14)

Ich begrüsse Sie herzlich und heisse Sie in der Nydeggkirche willkommen.

Stephan Diggelmann und Bareld Storn haben sich diesen Gottesdienst gewünscht. Es ist ihr Wunsch, ihre Lebensgemeinschaft unter den Segen Gottes zu stellen und sie möchten ihr Ja zueinander vor dem Angesicht Gottes, aber auch vor ihren Familien und Freunden bestätigen. Sie möchten ihrer Freude und Dankbarkeit Ausdruck geben darüber, dass sie zueinander gehören und diese Freude mit uns allen teilen.

Es ist etwas noch Aussergewöhnliches, dass zwei Männer in einem Gottesdienst um den Segen Gottes für ihre Liebes- und Lebensgemeinschaft bitten. Homosexuelle Liebe ist in unserer Gesellschaft und in der Kirche seit zweitausend Jahren etwas, das es nicht geben darf. Homosexuell empfindende Menschen sind geächtet, ausgeschlossen, verfemt, verletzt und am Aufbau einer tragfähigen Lebensgemeinschaft verhindert worden.

Für mich ist dieser Gottesdienst auch ein kleines Zeichen von Wiedergutmachung und ich wünsche mir, dass er auch ein kleiner Schritt auf dem Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sein kann.

Vor allen aber wollen wir uns jetzt mit Stephan und Bart freuen, dass sie zueinander gehören und für einander da sind.

Lasst uns beten:

Noch bevor wir Dich suchen, Gott, bist Du bei uns.
Wenn wir Dich als Vater anrufen, hast Du uns längst schon wie eine Mutter geliebt. Wenn wir ,,Herr" zu Dir sagen, gibst Du Dich in Christus als Bruder zu erkennen.
Wenn wir Deine Brüderlichkeit preisen, kommst Du uns schwesterlich entgegen. Immer bist Du es, der uns zuerst geliebt hat. Darum sind wir jetzt hier - nicht weil wir besonders gut und fromm wären, sondern weil Du Gott bist und weil es gut ist, Dir nahe zu sein. Amen.

Chor: "The Gospel Train"

"Zwei sind besser als einer allein. Wenn sie hinfallen, richtet einer den andern auf" (Kohelet 4,9f.)

Liebe Familien und Freunde, liebe Gemeinde, heute, in diesem Gottesdienst, bitten wir Gott um seinen Segen zur Lebensgemeinschaft von zwei Männern. Und Ihr beiden, Stephan und Bart, Ihr wollt vor dem Angesicht Gottes und in Gegenwart der hier versammelten Menschen euer Ja zueinander bekräftigen und bestätigen

Vieles spricht gegen das, was wir heute miteinander tun, gegen diesen Gottesdienst.
Das Gewicht einer jahrhundertealten Tradition spricht dagegen.
Und was für Christen noch schwerer wiegt:
es gibt in unserer Bibel ein paar Worte, die Homosexualität verurteilen. Und schliesslich spricht gegen das, was wir jetzt tun, auch das Empfinden, Fühlen und das Gewissen vieler Christen, die noch heute im schweren Schatten dieser Tradition und dieser Bibelstellen stehen.
Ich spüre das dreifache Gewicht, das gegen diesen Gottesdienst spricht. Ich kenne den Schatten.
Ich möchte diesen Gottesdienst mit euch zusammen feiern, damit wir aus dem Schatten heraustreten und zusammen in das Licht von Gottes Erbarmen und Liebe hineintreten.

Ich kenne die Bibel. Ich lese sie. Ich arbeite mit ihr. Ich liebe sie. Ich kenne die wenigen Worte, in denen Homosexualität erwähnt und verurteilt wird. Aber ich kenne auch den Geist, der uns in der Bibel begegnet. Der Gott, der mir in ihr begegnet, ist kein Gott, der die Menschen niederdrückt und ihnen das Leben schwer macht. Er ist ein Gott, der will, dass die Menschen leben.
Im Licht seiner Liebe blüht die Schöpfung auf. Im Licht seines Erbarmens sollen Menschen aufatmen und aufstehen zum aufrechten Gang, sollen herauskommen aus dem Schatten von Einsamkeit, Angst und Schuld und Verzweiflung. Sie sollen im Frieden leben.

In der Geschichte vom Anfang, die erzählt, wie Gott die Menschen erschaffen hat, lese ich das schöne Wort: "Gott, der Herr sprach: Nicht gut ist es, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht." Man könnte es auch so übersetzen: "Ich will ihm ein Gegenüber geben, das zu ihm passt."

Liebe Freunde, ihr wisst, wie die Geschichte weitergeht:
Gott liess den Menschen in einen tiefen Schlaf fallen, nahm eine seiner Rippen und baute aus der Rippe, die er den Menschen entnommen hatte, die Frau und führte sie dem Menschen zu. Und der Mensch sprach: "Das ist endlich Bein von meinem Bein, Fleisch von meinen Fleisch!" Endlich das Gegenüber, die Hilfe, die mir entspricht!

Die Menschen jener alten Zeit, die die Worte der Bibel aufgeschrieben haben, konnten sich unter der Hilfe, die dem Mann entspricht, nur die Frau vorstellen. In der Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen konnten sie nichts anderes sehen als eine widernatürliche sexuelle Verirrung. Wir wollen ihnen keinen Vorwurf machen; sie waren Kinder ihrer Zeit. Sie konnten nicht wissen, was wir heute langsam zu verstehen beginnen:
dass es Menschen gibt, die die Hilfe, die ihnen entspricht, das Gegenüber, das zu ihnen passt, nur in einem Menschen des gleichen Geschlechts suchen und finden können.

Homosexualität -
was für ein schiefes, unglückliches, missverständliches Wort!
Es unterstellt, dass die Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen nur aus Sexualität besteht.
Es reduziert Menschen auf ihre Sexualität. Dieses Bild steht hinter jenen Bibelstellen, die so negativ über die Homosexualität reden. Endlich, endlich beginnen wir allmählich zu verstehen, dass die Liebe zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts - genau wie die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau -
viel mehr umfasst als die Sexualität.

So ist es bei euch beiden, Stephan und Bart. So habe ich euch kennen gelernt.
Da ist eure Freude, dass ihr einander begegnet seid.
Als ein Aufatmen, als eine Befreiung, als ein grosses Glück habt ihr es erfahren: Endlich habt ihr, einer im andern, die Hilfe, das Gegenüber gefunden, das euch entspricht.
Und so umfasst eure Partnerschaft viel mehr als Sexualität.
Ihr wollt für einander da sein. Ihr wollt euer Leben miteinander teilen, nicht nur mit seinen leichten und hellen Seiten, nicht nur die Feste und Spiele, auch die kleinen und grossen Sorgen, Mühen und Lasten des Alltags. Das ganz gewöhnliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen wollt ihr miteinander teilen. Ihr wollt zusammenbleiben. Das Wort "Treue" ist euch wichtig geworden. Das Ja, das Ihr zueinander sagt, soll über den Tag hinaus Gültigkeit haben.
Ich kann's nicht besser, nicht schöner sagen, als die Bibel es sagt:
Ihr seid einander zur Hilfe geworden, zum Gegenüber, das euch entspricht. Und deshalb empfindet Ihr auch eine tiefe Dankbarkeit - eine Dankbarkeit gegenüber Gott. Ihr nehmt einander an wie ein Geschenk aus Gottes Hand. "Stephan und Bareld sagen ja zueinander, Freunde sagen ja zu uns, Gott sagt ja zu uns", so habt Ihr es auf die Einladung zu Eurem Fest geschrieben. Und ich denke, kein Mensch hat das Recht, euch das Ja, das ihr zueinander sagt, auszureden und euch auch nicht das Ja auszureden, das ihr von Gott her hört zu eurer Lebensgemeinschaft.

"Nicht gut ist es, dass der Mensch allein bleibt." In diesem Wort höre ich den Geist der Bibel. Hier begegne ich der Stimme des lebendigen Gottes.
Es ist ein Gott, der die Menschen kennt und lieb hat und deshalb weiss, was sie nötig haben zum Leben. Er weiss, dass wir zum Leben Liebe brauchen und Barmherzigkeit, ein wenig Zärtlichkeit und viel Gerechtigkeit, und das tägliche Brot und ein Dach überm Kopf, und ein Stück Boden unter den Füssen. Es ist ein Gott, der selber nicht allein sein will und deshalb die Schöpfung ins Leben ruft und die Menschen erschafft, damit er ihr Gott und sie seine Freunde sind, damit er mit ihnen und sie mit ihm reden.

"Nicht gut ist es, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht, ein Gegenüber, das zu ihn passt." Hier begegnet mir schon auf den ersten Seiten der Bibel das Evangelium, die frohe Botschaft: die Stimme des Gottes, der für die Menschen das Gute will und das Gute schafft. Gut ist, wenn Menschen einander zur Hilfe werden, für einander da sind, miteinander ihr Leben teilen. Gut ist, wenn Menschen einander helfen, dass das irdische Leben nicht nur Mühsal und Beschwer ist, sondern dass darin etwas aufscheint von Gottes Zärtlichkeit und Gerechtigkeit.

Sollte diese liebevolle Zusage Gottes nur gelten für die Lebensgemeinschaft eines Mannes mit einer Frau?
Sollte sie wirklich all jene ausschliessen, die die Hilfe, die ihnen entspricht, das Gegenüber, das zu ihnen passt, nur in einem Menschen des gleichen Geschlechts sehen können?
Sollten sie zu dem verurteilt sein, was in den Augen Gottes nicht gut ist für den Menschen: zum Alleinsein?

Ich denke nicht.
Ich denke, dass wir heute, wo wir die geschlechtliche Orientierung eines Menschen, also auch die sogenannte Homosexualität anders zu verstehen beginnen, als unsere Vorfahren sie verstehen konnten - ich denke, dass wir heute das schöne Wort von der Hilfe, die dem Menschen entspricht, von Gegenüber, das zu ihm passt, so verstehen dürfen, dass es auch euch beide, lieber Stephan, lieber Bart mit einschliesst. Ich denke, dass auch ihr dieses Wort hören und verstehen dürft als das Ja Gottes zu eurem gemeinsamen Leben, als Verheissung seines Segens für euch.

Segen ist keine Zauberformel.
Segen ist nicht einfach automatisch da,
Segen kommt zu euch und bleibt bei euch, wenn und solange ihr das Ja, das ihr zueinander sagt, getragen wisst von dem grösseren und stärkeren Ja, das Gott zu uns sagt. - Gesegnet ist eure Lebensgemeinschaft, wenn eure Liebe zueinander ihre Kraft bekommt von der Liebe Gottes her.

Was das heisst, möchte ich euch in ein paar Andeutungen zu sagen versuchen.

Gott liebt nicht nur das, was ohnehin liebenswert, begehrenswert, attraktiv und sympathisch ist.
Er liebt uns so, wie wir sind.
Er liebt uns auch dort, wo wir klein, schwach, unansehnlich, schwierig und unangenehm sind.
Die Liebe Gottes liebt nicht nur das Schöne, weitere, Helle und Gute in uns.
Sie liebt uns mit den dunkeln Widersprüchen, die in uns sind und die immer wieder hervorbrechen und unser Zusammenleben in Frage stellen.
Daran dürft ihr beide euch halten. Ihr seid beide zunächst einmal, ganz unabhängig, was ihr für einander empfindet je ein von Gott geliebter Mensch.

Das Geheimnis von Gottes Liebe heisst Vergebung Gott legt uns nicht fest auf das, was wir waren und getan haben. Er schenkt uns neue Anfänge. In einer Partnerschaft wie der euren werden Menschen aneinander schuldig. Sie lernen sich kennen mit ihren schwierigen, problematischen Seiten.
Aber ihr dürft miteinander leben vom Geheimnis der Vergebung.
Vergebung ist die Energie der Treue. Treue hat nichts zu tun mit ängstlicher, säuerlicher Moral.
Treue ist grosszügig.
Sie lebt aus der Kraft der Vergebung, die den andern nicht aufgibt, ihn nicht fallen lässt, so wie Gott uns nicht fallen lässt.

Gottes Liebe ist nicht exklusiv.
Sie schliesst alle ein.
Eure Partnerschaft hat etwas Exklusives.
Es gibt für euch Dinge, die ihr nur miteinander teilen wollt. Und das ist gut so.
Aber wenn ihr eure Lebensgemeinschaft im weiten Horizont der Liebe Gottes lebt, die die Welt umspannt und rettet, dann kann sie nicht einfach ein isoliertes Glück zu zweit sein.
Gottes Liebe hat offene Augen für die andern. Aufmerksam ist sie für die Not und das Leid. Ihr Geheimnis ist das Anteilnehmen, das wache Interesse am Schicksal anderer. Davon lebt auch eure Partnerschaft. Wo sie sich selber genügt, wo sie nur noch da wäre für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und Wünsche, wo sie zum Egoismus zu zweit wird, da verkümmert sie, der Atem geht ihr aus. Wenn ihr aber Anteil nehmt am Schicksal anderer, wenn euer Glück euch sensibel macht für das Glück und das Unglück anderer, da wachsen eurer Partnerschaft unerwartete, überraschende Kräfte zu. Da bleibt sie spannend und lebendig. Dann wird sie gesegnet sein.

Darf ich auch noch ein Wort besonders zu euch Eltern und Familien von Stephan und Bart sagen?
Eltern machen sich ja so ihre Vorstellungen, was für ihre Kinder gut ist, wer und was zu ihnen passt und ihnen entspricht Und nun haben eure Söhne einen Lebenspartner gefunden, der ihnen entspricht, zu ihnen passt, und der nicht dem entspricht, was ihr euch wohl einmal vorgestellt habt. Das ist nicht leicht für euch. Mein Wunsch, meine Bitte, mein Gebet ist, dass eure Freude darüber, dass eure Söhne nicht allein sind, so stark wird, dass die Enttäuschung in Vergessenheit gerät.

Denn darüber freuen wir uns jetzt mit euch, lieber Stephan, lieber Bart:
dass ihr einander liebt. Dass ihr Mut habt zueinander, Dass ihr Ja sagt zueinander. Dass ihr füreinander da seid, einander beisteht, euer Leben miteinander teilt und einander alles anvertraut. Dass ihr miteinander glücklich seid.
Darüber freuen wir uns mit euch. Es ist ein Grund, ein Fest zu feiern.

Dass eure Liebe und Partnerschaft geborgen ist in der grösseren, der unvergänglichen Liebe Gottes, dass eure kleine gemeinsame Lebensgeschichte - und die Lebensgeschichte von uns allen - hineingestellt ist in den Horizont der grossen Geschichte von Gottes Treue, das ist erst recht Grund für ein Fest. Mein Glückwunsch für euch ist, dass ihr beide, dass euer gemeinsames Leben ein Zeichen für Gottes Liebe in dieser Welt ist, ein Reflex Seiner ewigen Treue,
"a reflexion of His grace"

Chor

Stephan Diggelmann und Bareld Storn, ihr habt euch diesen Gottesdienst gewünscht, um mit euren Angehörigen und Freunden zusammen eurer Freude und Dankbarkeit Ausdruck zu geben, dass ihr zusammengehört.
Ihr wollt Gott um seinen Beistand und Segen bitten und bezeugen, dass ihr euch in Vertrauen auf Gottes Treue annehmt als Lebenspartner. Ihr wollt euer Ja zueinander bestätigen, so, dass auch andere es hören und bezeugen: ein Ja, das gilt und verbindlich ist.

Ihr wollt einander helfen, das Leben zu bestehen Ihr wollt beieinander bleiben, einander tragen. für einander da sein, in guten und in schweren Zeiten, so, dass der eine sich auf den andern verlassen kann Ihr wollt aufeinander hören und einander Antwort geben.
Ihr wollt zueinander Sorge tragen und einander in eurer Einzigartigkeit verstehen und achten. Und weil ihr wisst, dass es dazu noch mehr braucht als die eigene Kraft und die eigenen Vorsätze, deshalb bittet ihr um Gottes Segen und Beistand.

Stephan und Bareld, wollt ihr einander im Angesicht Gottes und vor dieser Gemeinde annehmen als Partner für ein gemeinsames Leben, wollt ihr eure Lebensgemeinschaft leben in der Verantwortung vor Gott und im Vertrauen darauf, dass Gott euer Zusammenleben segnet, so gebt einander die Hand und sagt Ja.
Stephan und Bareld, Gott wird für euch da sein in allen, was auf euch zukommt. Er stärke euch in der Liebe zueinander. Er bewahre euch in der gegenseitigen Vergebung. Gott segne euch, damit ihr für einander und für andere zu einem Segen werdet.

So schenkt euch jetzt eure Ringe. Sie sollen ein sichtbares Zeichen sein für euch und für andere, dass ihr zueinander gehört.

Gebet

Gott, wir danken Dir für alle Liebe und Zärtlichkeit, für alle Sorgfalt, Geborgenheit und Freundschaft, die Menschen einander schenken. Wir danken Dir für das Glück von Stephan und Bareld:
dass sie zueinander gehören, einander lieben, Gib ihnen den Geist der Zuversicht und der Versöhnung.
Lass sie zusammenhalten auch in der Not. Ihrer Liebe lass Treue entspriessen, die ausstrahlt auch auf andere Menschen. Hilf ihnen, dass Dein Ja, Deine Liebe sie trägt und bewahrt in guten und schweren Zeiten,

Wir bringen vor Dich, Gott, auch unsere Trauer über Schmerz, Streit und Verletzung, über Angst, Gewalt und Entbehrung in den Beziehungen von Männern und Frauen. Wir denken an die, deren Partnerschaft zerbrochen ist, deren Bedürfnis nach Anerkennung, Zärtlichkeit und Geborgenheit unerfüllt bleibt.
Wir denken an die Verlassenen und Einsamen, an die, die zurückbleiben, auch an die, die weggehen.
Halte uns fest, Gott, auch dann, wenn wir uns von Dir und voneinander entfernen.

Jesus Christus, Du hast uns die Liebe Gottes offenbart.
Du machst uns zu Brüdern und Schwestern. Lass uns einander geschwisterlich, mit Achtung und Sorgfalt begegnen. Hilf uns Männern, uns Frauen, dass wir einander beistehen, dass unser Leben zum Zeichen Deiner Menschenfreundlichkeit wird.

In Deinem Namen bitten wir:

Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Chor

Reiche helfen dem Armen zu ihrem Recht.
Grosse verstehen die Ängste der Kleinen.
Starke geben den Schwachen eine Chance.
Glückliche sind offen für die Sorgen Unglücklicher.
Fröhliche kommen Traurigen entgegen.
Gesunde stehen Krankem bei.
Die es gut haben zusammen mit andern, finden den Weg zu Einsamen.
Die, die glauben und vertrauen, lassen sich ein auf Fragen der Zweifelnden.
So beginnt unter uns die Zeit Gottes und sein Segen kommt zu uns.

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht euch zu und gebe euch Frieden.
Amen.

Liturgie: Klaus Bäumlin


Partnerschaftssegnung in der MCC-Hamburg

Vorab: Die MCC-Hamburg kennt kein feststehendes Formular für Partnerschaftssegnungen, das so und nicht anders, bei jeder Segnung durchgeführt werden muss. Statt dessen ist es uns wichtig, mit jedem Paar individuell zu klären, was es jeweils für sich benötigt. Dazu gehören die Gestaltung des Gottesdienstes ebenso wie die Versprechen, die die Partnerlnnen einander geben wollen. Bei unterschiedlichen Bedürfnissen kommen entsprechend unterschiedliche Gottesdienstformen und Inhalte der Gelöbnisse heraus. Das folgende stellt eine Art Querschnitt aus verschiedenen Gottesdiensten, in denen wir bisher Partnerschaftssegnungen gefeiert haben, dar. Dafür dass der nächste wieder so ähnlich aussieht, gibt es keine Gewähr.
Die Abkürzung "L", die im weiteren Verlauf benutzt wird, steht für "Liturgln"; "L1" und "L2" sehen das Wechselspiel zwischen zwei Liturglnnen vor.

Irgendwo zu Beginn eines jeden Gottesdienstes zur Partnerschaftssegnung steht in der Regel ein Statement, wie das folgende:

L:   Lasst mich zu Beginn noch eines klarstellen: In diesem Gottesdienst nehmen wir keine Trauung vor. Dieser Gottesdienst stellt keine Legitimation der Beziehung von X und Y dar. Zum einen, da wir in einer Gesellschaft leben, die die Liebe zwischen Partnern des gleichen Geschlechts nach wie vor für eine minderwertige Angelegenheit hält. Für so minderwertig, dass sie keinerlei legitimierte Form einer Beziehung zwischen zwei Männern oder zwei Frauen zulässt. Und uns ist es - wie allen anderen Kirchen übrigens auch - verboten, hier eine Handlung vorzunehmen, die als Legitimation einer solchen, nicht vom Staat gebilligten Partnerschaft gedeutet werden könnte.
Zum anderen legitimiert dieser Gottesdienst nichts, weil Eure Partnerschaft keinerlei Legitimation bedarf. Eure Partnerschaft ist legitimiert aus der Liebe Gottes, die sie trägt, die Euch und Eure Liebe bejaht. Gott hat sein Ja zu Euch gesprochen, und wir sind hier um uns mit Euch darüber zu freuen. Wir wollen Eure Partnerschaft dem Segen Gottes anvertrauen. Wir wollen die Liebe Gottes feiern, die uns, Euch und Eure Beziehung trägt und so legitimiert, wie es kein Staat, keine Kirche oder wer auch immer tun könnte.

Nach der Predigt folgt dann in der Regel der Vollzug der Partnerschaftssegnung, beginnend mit..

Einleitung:

L1:   X und Y leben miteinander leben gut zusammen und wollen das weiterhin tun Sie wollen das auch im Rahmen dieser Gemeinde tun und möchten, dass wir uns schützend um ihre Beziehung stellen. Sie möchten ihren FreundInnen von denen viele hier sind heute deutlich machen, dass sie zusammengehören und möchten sie um ihre Freundschaft für sie als Paar bitten. Sie möchten einander noch einmal versichern, was sie füreinander sein wollen. Dem, was Beziehung bedroht, soll diese Freundschaftssegnung die Versicherung der Bejahung Gottes als ein lebendiges Zeichen von Schutz und Bestätigung entgegengestellt werden. Und als Christlnnen wollen sie sich im Gebet der Liebe Gottes und dem Segen Gottes anvertrauen. Von der Liebe Gottes und der Liebe zwischen Menschen, die daraus wird, sprechen die Bibeltexte, die wir jetzt hören.

Textlesungen, wie Hoheslied 8,6-7 oder 1. Kor 13 z.B.

Das Versprechen:

L2:   Vor Gott und dieser Gemeinde, frage ich Dich, Y, bist Du bereit, X als Geschenk der Liebe Gottes anzunehmen; bist Du bereit X als Mensch in seiner Eigenheit und Fremdheit zu respektieren und zu schützen; willst Du X lieben und schätzen auch durch seine/ihre Veränderungen hindurch, wirst Du Dir Mühe geben, anzunehmen, statt abzustossen, zu heilen und nicht zu verletzen, zum Leben zu erwecken und nicht zu unterdrücken; willst Du X als PartnerIn für Dein Leben annehmen und sie/ihn stützen und tragen, und Deine Liebe zu ihm/ihr lebendig halten in guten, wie in bitteren Tagen; willst Du X als PartnerIn annehmen, der/die Dir zu Dir selbst und bei der Suche nach erfülltem Leben hilft? So antworte bitte: Ja mit Gottes Hilfe.

Y:   Ja, mit Gottes Hilfe.

L1:    Vor Gott und dieser Gemeinde, frage ich Dich, X bist Du bereit, Y als Geschenk der Liebe Gottes anzunehmen; bist Du bereit, Y als Mensch in seiner Eigenheit und Fremdheit zu respektieren und zu schützen; willst Du Y lieben und schätzen auch durch ihre/seine Veränderungen hindurch; wirst Du Dir Mühe geben, anzunehmen, statt abzustossen, zu heilen und nicht zu verletzen, zum Leben zu erwecken und nicht zu unterdrücken; willst Du Y als PartnerIn für Dein Leben annehmen und sie/ihn stützen und tragen, und Deine Liebe zu ihm/ihr lebendig halten in guten, wie in bitteren Tagen; willst Du Y als PartnerIn annehmen, die/der Dir zu Dir selbst und bei der Suche nach erfülltem Leben hilft? So antworte bitte: Ja mit Gottes Hilfe.

X:   Ja, mit Gottes Hilfe.

Bei Bedarf Ringtausch:

An dieser Stelle folgen manchmal von den Partnerlnnen aneinander formulierte Versprechen

L2:   So gebt Euch dann diese Ringe, die Euch Zeichen und Erinnerung sein sollen, an dies Versprechen, das lhr einander gebt.

Gebet der Gemeinde

Manche Paare beziehen hier die Gemeinde ein, manchmal in der Form, dass einzelne, vorher ausgesuchte Vertreterinnen, Gebete sprechen und dabei Kerzen entzünden, die dann auf den Altar gestellt werden.

L1:   Lasst uns gemeinsam um den Segen Gottes beten:(Die Gemeinde bitte ich, zu diesem Gebet aufzustehen. Bitte fasst Euch an die Hände, bildet einen Kreis um X und Y und ich möchte Euch bitten, jeweils mit Y, X, L2 und mir einzufallen in die Wiederholung des Satzes, "dafür bitten wir um Deinen Segen, o Gott")

L2:   Dass Ihr beide in Liebe zusammenlebt und einander annehmt, wie lhr geworden seid,

Alle:  dafür bitten wir um Deinen Segen, o Gott

L1:   Dass Ihr Euch des Guten gemeinsam freut und in Schmerz und Angst einander Stütze und Trost seid,

Alle:  dafür bitten wir um Deinen Segen, o Gott

L2:   Dass Ihr die Hoffnung füreinander nicht aufgebt, einander verzeiht und immer von neuem miteinander befreiende Wege sucht,

Alle:  dafür bitten wir um Deinen Segen, o Gott.

Amen

Segen:

L1:   Nun wendet Euch einander zu und fasst Euch bei den Händen. Und seht einander an, damit Ihr füreinander zu Zeugen werdet - des Segens, den wir Euch zusprechen:

L2:   Freies Gebet

L1:   Gott segne Euch und behüte Euch in seiner Liebe, er erhalte Eure Liebe, er gebe Euch Kraft zu allem Bittern, er schenke Euch langen Atem füreinander. Gott lasse sein freundliches Angesicht leuchten über Euch und sei Euch gnädig, er lasse die Freude bei Euch wohnen, er erhalte Euch das Wissen, dass seine Liebe Euch trägt. Er hebe sein Angesicht auf Euch und schenke Euch Frieden.

Amen


Zeremonie für das Lebensbündnis eines lesbischen Paares

Weitaus weniger Vorbilder gibt es für Zeremonien, die das Lebensbündnis eines homosexuellen Paares zum Inhalt haben. Das folgende Hochzeitsritual wurde für Phyllis Athey und Mary Jo Osterman entworfen; die Feier fand am 19. August 1982 in der Wheadon United Methodist Church in Evanston, Illinois, statt. Musik: "Shooting Star" von Chris Williamson und "The Road I Took to You" von Meg Christian

Einleitende Worte

Phyllis: "Wir stehen hier in Gegenwart der Menschen, die uns auf vielen Stationen unserer Lebensreisen begleitet haben. Ihr seid unsere Familie. Wir freuen uns, dass ihr gekommen seid, um unseren Neubeginn, die Begründung unserer neuen Familie zu bezeugen." Mary Jo: "Wir haben euch hier zusammengerufen, um den Beginn eines neuen Teils unserer Lebensreise zu feiern. Wir sind hier, um ein Lebensbündnis zu schliessen." Die Gemeinschaft: "Wir freuen uns, Teil der Feier zu sein. Wir haben jede von euch als Einzelwesen geschätzt und geliebt. Wir werden euch auch als Paar weiterhin schätzen und lieben." (Einzelne Teilnehmer/innen der Zeremonie können nun ihre Reflexionen und Segenswünsche äussern.)

Bekenntnisgebet

Alle sprechen gemeinsam: "O Gott der Freiheit und der Ganzheit, wir bekennen, dass wir auf unserem Weg zur neuen Erde alle wankend geworden sind. Eifersucht und Konkurrenz haben uns voneinander getrennt. Machthierarchien und Rollenvorurteile haben uns in unseren menschlichen Beziehungen eingeschränkt. Wir sind gestrauchelt unter dieser Last, aber wir hatten Angst davor, sie von uns zu werfen." (Alle meditieren schweigend über dieses Bekenntnis.) "Gott hat uns die Möglichkeiten der Freiheit und der Bindung gegeben. Der Geist gibt uns die Kraft, diese Möglichkeiten zu verwirklichen. Wir gehen unseren Weg in Zuversicht und Freude."
Musik: "We Are gathered Here Together in the Presence of the Spirit" von Dorie Ellzey.

Bibellesung

Ruth 1, 6-18 (Naomi reist aus Moab in ihr Land Juda zurück und fordert ihre beiden verwitweten Schwiegertöchter auf, ebenfalls in ihre Heimatorte zurückzukehren. Ruth weigert sich jedoch, Naomi zu verlassen: "Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden."
Auslegung des Bibelworts, Reflexion über die Bedeutung von Lebensbündnissen und Familienbindungen

Das Bindungs versprechen

Phyllis: "Unter allen Menschen, die in mein Leben getreten sind, habe ich dich auserwählt, um ein Lebensbündnis mit dir zu schliessen. Mit dir und um dich will ich mein Leben neu ordnen. Ich freue mich über das Geschenk dieser Bindung und über mein Bemühen, das Geschenk der Liebe zu geben."
Mary Jo: "Von allen Menschen, denen ich begegnet bin, habe ich dich auserwählt, um gemeinsam mit dir meine Lebensreise fortzusetzen. Mit dir und deinem Leben will ich die Fäden meines Lebens verflechten. Ich freue mich über das Geschenk dieser Bindung und über mein Bemühen, das Geschenk der Liebe anzunehmen."

Gelöbnisse

"Ich liebe dich. Ich will dir das Beste von dem geben, was ich bin und was ich sein werde. Ich entscheide mich, mit dir ein Lebensbündnis zu schliessen. Ich weiss, der Weg wird nicht einfach sein, aber mit dir ist mein Leben reicher. Ich verspreche. dass ich mit dir arbeiten, spielen und träumen will, und ich werde mein Bestes tun, damit unsere Träume wahr werden. Ich verspreche, deine Tränen und dein Lachen mit dir zu teilen und dich an meinen Tränen und meinem Lachen teilhaben zu lassen. Ich verspreche, zu respektieren, dass jeder von uns Raum für sich selbst braucht; ich werde zu dir zurückkehren und vertraue darauf, dass du zu mir zurückkehrst. Ich verspreche, dich zu respektieren und das, was dich von mir unterscheidet, mit Freude zu begrüssen. Ich verspreche, dich um Vergebung zu bitten, wenn ich von unserem Bündnis abgewichen bin."

Wechseln der Ringe. Annehmen eines gemeinsamen Namens

Leiter/in des Rituals: "Was ist das Zeichen eures Lebensbündnisses?"
Phyllis/Mary Jo: "Ich gebe dir diesen Ring."
Mary Jo: "Er bedeutet Tränen, die sich in Lachen verwandeln."
Phyllis: "Und eine Ramme, die unsere Zukunft beleuchtet."
Mary Jo/Phyllis: "Er ist das Geschenk und das Symbol unserer Liebe."
Leiter/in: "Welchen gemeinsamen Namen habt ihr gewählt?"
Phyllis/Mary Jo: "Wir wählen den Namen Kinheart als gemeinsamen Namen in unserer Beziehung. Dieser Name steht für die Verwandtschaft unserer Herzen und für unser gemeinsames Leben."
Lied: "Whereever You Go I will Go."

Bestätigung des Lebensbündnisses

Leiter/in des Rituals: "Phyllis Kinheart Athey und Mary Jo Kinheart Osterman, ihr seid nun vor Gott und dieser Gemeinschaft in einem Lebensbündnis vereinigt"
Gemeinschaft: "Wir bezeugen dieses Bündnis zwischen euch, Phyllis und Mary Jo. Wir werden euch an die Verantwortung erinnern für den Bund, den ihr heute geschlossen habt. Wir werden euch unterstützen mit unseren Gebeten und mit den Gaben unserer Gemeinschaft."

Ritual der Kommunion

Dieses Kommunionsritual ist unser Geschenk an die Gemeinschaft. Es symbolisiert die Verbindungen von Vergangenheit und Gegenwart, Gegenwart und Zukunft. Wir laden alle Anwesenden ein, am Ritual der Verbindung, am Gebetskreis und an der Kommunion teilzunehmen. Der Kreis ist offen, alle sind willkommen.

Mary Jo: " Dieser Kelch mit Wasser steht für die Tränen aller Unterdrückten, die vor uns waren. Ich zeichne dein Gesicht mit dem Zeichen der Tränen." (Der Kelch wird weitergereicht, und jede(r) zeichnet das Gesicht des nächsten mit einer Tränenspur.)
Phyllis: "Dieser Korb mit getrockneten Weinbeeren steht für die Träume der Generationen. die nicht frei waren. Er symbolisiert unsere vergeblichen Mühen und Hoffnungen. " (Die Rosinen werden weitergereicht; die Anwesenden essen davon.)
Mary Jo: "Dieser Korb mit frischen Weintrauben steht für unsere Arbeit. unsere Träume und unsere Hoffnungen: die Trauben sind die Früchte der neuen Erde."
Phyllis: "Dieses Rosinenbrot ist die Mischung des neuen Korns und der altern Früchte: es soll uns auf der Reise nähren. Wir eignen uns unsere Vergangenheit an und bewegen uns auf die Zukunft zu. Wir reichen euch dieses Brot als Mahl der Gemeinschaft. "

Gebetskreis

Die Anwesenden werden nun eingeladen. spontane Reflexionen und Dankgebete auszusprechen. Brot und Trauben werden herumgereicht und alle kosten davon. Dann erklingt das Kommunionslied "Take and Eat

Leiter/in des Rituals: "Wir haben der Tränen und der verlorenen Träume der Vergangenheit gedacht: Wir sind in ein neues Bündnis eingetreten und haben seine Früchte gekostet Wir werden unsere Reise in die Freiheit fortsetzen. Amen.

Abschlussmusik: "Song of the Soul" von Chris Williamson. Alle werden eingeladen, an einem festlichen Empfang teilzunehmen


Teil 1, Teil 2, Teil 3, Anhang
Dieser Text wurde gedruckt aus der Website der Lesbischen und Schwulen Basiskirche Basel WWW.LSBK.CH
herzlichen Dank für Ihr Interesse.