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Apokalyptische Regenbogen-Einhörner?

„Und ich sah, dass der Bundestag das letzte Siegel auftat, und ich hörte eine Stimme sagen: Komm! Und ich sah ein pinkes Einhorn. Und der, der darauf sass, hatte eine Sense, und ihm wurde eine Fahne in den Farben des Regenbogens gegeben, und er kam, um die Familien der Erde zu zerschlagen.“

Hanno Terbuyken im Nachgang zur Bundestagsabstimmung „Ehe für Alle“ am 30. Juni 2017 auf Evangelisch.de.

Beim Lesen von einzelnen Kommentaren muss man ja fast glauben, gestern habe in Deutschland die Endzeit begonnen…

Erfahrung von der EF Jahresversammlung in Danzig

Was ich persönlich mitgenommen habe von der Jahresversammlung des European Forum of Christian LGBT Groups in Danzig, 24.-28. Mai 2017.

Die Gewissheit, dass es unendlich befreiend ist, wenn ich mich selbst bejahe, weil ich mich von Gott bejaht fühlen darf. Und dass mir dies nicht nur Mut gibt und Widerstandskraft, sondern auch viel Freude und Fröhlichkeit und Offenheit.

Ich kann mich nicht beklagen, bis jetzt wurde ich weitgehend verschont mit krassen Erfahrungen, sowohl im persönlichen als auch im Arbeitsumfeld. Aber oft spüre ich dieses leise Unbehagen – oder andererseits eine bemüht forsche Offenheit – im Umgang mit mir.

Man gewöhnt sich ja daran im Laufe der Zeit, es fällt einem kaum noch auf.

Dafür fällt es einem umso mehr auf, wenn da plötzlich andere Menschen einem völlig unbefangen begegnen. Und man das Gefühl hat, uneingeschränkt akzeptiert zu werden. Und es ist befreiend und beglückend, von Christen nicht diesen abgedroschenen und ziemlich schizophrenen Satz zu hören:

„Gott liebt die Sünder, aber er hasst die Sünde“

sondern  stattdessen: „Alle sind willkommen – The gay, the straight the bi, the trans are all included in God‘s plans …“ Und dies nicht nur gesagt und gesungen, sondern sichtbar und fühlbar und völlig selbstverständlich gelebt.

Dass diese Selbstverständlichkeit oft erkämpft, ertrotzt und vor allem, dass um sie gelitten wurde – und dass weiterhin um sie gekämpft und gelitten werden muss, vor allem in Osteuropa, das wurde in vielen Beiträgen deutlich. Der Mut und das Durchhaltevermögen, das Menschen aus ihrem tiefen Glauben schöpfen, die immer wieder Anfeindungen und Verleumdungen, Benachteiligung und Bedrohung erleben müssen hat mich zutiefst bewegt.

Und lässt mich nachdenken über die Stärke und Belastbarkeit meines eigenen Glaubens.

Und darüber, was es denn praktisch bedeuten kann, solidarisch zu sein mit unseren Brüdern und Schwestern in Polen, in Ungarn, in Russland …

„Forwards in solidarity“ war das Motto des Treffens in Danzig.

Wie wirkt sich diese Solidarität ganz real in meinem Leben aus?

F. E. Adams im Juni 2017

Tagung des Europäischen Forums Christlicher LGBT Gruppen EF in Gdansk (Danzig) 24.-28. Mai 2017

Die Sonne hat auf uns geschienen – anders kann ich fünf intensive, berührende wunderbare Tage nicht in wenigen Worten zusammenfassen. Gleichzeitig und ineinander verwoben fanden die Konferenz des Europäischen Forums und die Woche der Gdansk Equality (Gleichstellung, Ebenbürtigkeit) samt dem Umzug statt. Ein grosses Dankeschön an die Mitglieder von Wiara i Tęcza (Glaube und Regenbogen, die polnische Mitgliedsgruppe des EF), Tolerado (lgbt-Organisation in Gdansk) und die Stadt Gdansk.

Den gesamten Bericht von Irène Schwyn findet Ihr hier: Tagung des Europ Forums Christlicher LGBT 2017

Alle Farben des Lebens

Ein Haus, drei Generationen, vier aussergewöhnliche Menschen. Auf den ersten Blick erscheinen sie wie eine typische, moderne New Yorker Familie: Das Haus gehört Grossmutter Dolly (Susan Sarandon), die in den unteren Etagen mit ihrer Lebensgefährtin Frances (Linda Emons) ihren nicht ganz so stillen Ruhestand geniesst. Oben wohnt Dollys Tochter Maggie (Naomi Watts) zusammen mit der 16-jährigen Enkelin Ramona (Elle Fanning), die sich jedoch selbst Ray nennt und bereits seit Jahren als Junge lebt. Nun möchte Ray den entscheidenden Schritt machen und eine Hormontherapie beginnen. Dazu benötigt er jedoch die Zustimmung beider Eltern, was auch Maggie vor weitreichende Probleme stellt. Sie muss Rays Entscheidung nicht nur unterstützen, sondern auch wieder Kontakt zu ihrem Ex (Tate Donovan) aufnehmen, den sie eigentlich komplett aus ihrem Leben gestrichen hat. Und auch Dolly hat Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass sie von nun an endgültig einen Enkelsohn haben soll. Alle drei Generationen müssen plötzlich existentielle Entscheidungen treffen und Veränderung als Chance erkennen, damit sie als Familie wieder neu zusammenfinden können.

Alle Farben des Lebens Book Cover Alle Farben des Lebens
Videos, Filme
WVG Medien GmbH
2017
DVD
Gaby Dellal
Elle Fanning, Susan Sarandon, Tate Donovan, Maria Dizzia, Sam Trammell
7613059317956 / B01N9HSU81

Katzenball

Le bal des chattes sauvages

Die Schweiz der letzten 70 Jahre aus der Perspektive einer verborgenen Minderheit: die Geschichte(n) von frauenliebenden Frauen, ihren Beziehungen und internationalen Netzwerken, ihrer Suche nach Identität und ihren politischen Kämpfen, von Treffpunkten, Maskenbällen und ihren versteckten Orten in der Kultur des Landes. Fünf Frauen aus verschiedenen Generationen geben Einblick in ihr Leben. Sie erlauben uns, zum «anderen Ufer» zu schauen und auch bekannte Bilder aus Film und Fernsehen mit anderen Augen zu sehen.

Katzenball Book Cover Katzenball
Videos, Filme: Dok
Lighthouse
2006
DVD
Veronika Minder
Johanna Berends, Heidi Oberli, Ursula Rodel, Liva Tresch, Samira Zingaro
7640118760583 / B000MKXFLY

Der erste Stein

Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche

»Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?« Diese Worte von Papst Franziskus liessen die Welt aufhorchen und viele homosexuelle Priester Hoffnung schöpfen. Doch ein grundlegender Wandel in der Haltung der katholischen Kirche gegenüber Homosexualität lässt weiter auf sich warten. Umso mehr Wirbel verursachte das Coming-out des hochrangigen polnischen Priesters Krzysztof Charamsa im Oktober 2015. Charamsa lehrte an der Gregoriana und war Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre. Charamsa, der mit einem Mann zusammenlebt, wählte bewusst den Zeitpunkt kurz vor Beginn der Familiensynode im Vatikan, um auf das »unmenschliche« Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen hinzuweisen und auf die Tatsache, dass der Klerus in weiten Teilen homosexuell sei. In seinem Buch berichtet Charamsa von seinem persönlichen Werdegang und seiner Kirchenkarriere, eröffnet erschreckende Einblicke in den Alltag von kirchlicher Ausbildung und Klerus, beschreibt die Absurdität von Doktrinen und Vorschriften wie dem Zölibat. Dabei greift er immer wieder die homophoben Strukturen der katholischen Kirche an. Sein Coming-out wird für ihn zur grossen Befreiung. Seine persönliche Geschichte ist die Geschichte „einer Kirche, die besessen ist vom Sex, die der Sex krank macht.“

Der erste Stein Book Cover Der erste Stein
Krzysztof Charamsa
Kirche
Bertelsmann
2017
Gebunden
320
978-3-570-10327-2
9783641206734 / B01N0NS6BW

Der heilige Schein

Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche

David Berger ist schwul. Führende Kirchenvertreter nutzen seine sexuelle Orientierung, um ihn auf Spur zu halten. In diesem Buch deckt der hochrangige Theologe auf, was sich in den erzkonservativen Kreisen der katholischen Kirche abspielt. Ein Insiderbericht, der aufrüttelt und einen Schlüssel zu den Skandalen in der katholischen Kirche liefert.

Der heilige Schein Book Cover Der heilige Schein
David Berger
Kirche
Ullstein Verlag
2012
Taschenbuch
304
978-3-548-61098-6
9783843707701 / B00FQK1I8W

Ist eine sexuelle Orientierung „heilbar“?

Auszug aus Prof. Dr. Udo Rauchfleischs Stellungnahme zur Broschüre von Wüstenstrom:

… Die uns heute vorliegenden humanwissenschaftlichen Forschungsergebnisse lassen erkennen, dass die sexuellen Orientierungen homosexueller wie heterosexueller
Art einerseits auf genetische Dispositionen beruhen und andererseits, von diesen Dispositionen ausgehend, sehr früh im Leben eine in ihrer Grundstruktur nicht veränderbare Ausformung erfahren. Gewiss sind im Verlauf des weiteren Lebens Änderungen des sexuellen Verhaltens möglich, vor allem wenn, wie in evangelikal – fundamentalistischen Kreisen, die Bezugsgruppe eines Menschen einen starken Druck auf ihn ausübt. Das Resultat solcher Beeinflussung von aussen ist aber höchstens eine Änderung des Sexualverhaltens, d.h. in diesem Fall der Wechsel von gleichgeschlechtlichen zu gegengeschlechtlichen Partnerinnen und Partnern.

Die eigentliche sexuelle Orientierung mit den daran geknüpften Gefühlen, den erotischen und sexuellen Phantasien sowie den sozialen Präferenzen lässt sich jedoch nicht verändern. Die vielen Beispiele von gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen, die unter massivem Druck von aussen eine Veränderung vorgenommen haben (d.h. angeblich „geheilt“ waren) und über kurz oder lang wieder entsprechend ihrer ursprünglichen sexuellen Orientierung leben, legen ein beredtes Zeugnis für diese prinzipielle Unveränderbarkeit der sexuellen Orientierung ab.

Häufig wird die Änderung im Sexualverhalten mit schweren Depressionen, zentralen Selbstwertproblemen und tiefer Verzweiflung erkauft und kann bis zum Suizid der betreffenden Menschen führen, die an dem Konflikt zwischen dem äusseren und dann von ihnen verinnerlichten Druck einerseits und dem Gefühl, ein Leben im Gegensatz zu ihrer sexuellen Orientierung zu führen, zerbrechen. Hier muss man eindeutig von einem Missbrauch und
einer Schädigung durch sogenannte therapeutische oder seelsorgerliche Interventionen sprechen. Dabei ist besonders fatal, dass die Mehrzahl derer, die solche „Umpolungen“ durchführen, keine psychotherapeutisch fundiert ausgebildeten Fachleute sind. Es ist deshalb wichtig, dass die medizinischen und psychologischen Fachverbände eindeutig Stellung nehmen gegen derartige unprofessionelle und ethisch nicht vertretbare Aktivitäten.

Prof. Dr. Udo Rauchfleisch
Professor für Klinische Psychologie an der Universität Basel
Psychotherapeut in privater Praxis in Binningen / BL, Schweiz

Um ca. 2003.

Kurt Marti gestorben

wo chiemte mer hi wenn alli seite wo chiemte mer hi und niemer giengti fur einisch z’luege wohi dass mer chiem we me gieng.

Zyt isch nid zahl nid schtrecki
Zyt isch es löcherbecki
Wo scho nach churzem ufenthalt
Dr mönsch z’dürab i d’unzyt fallt.

Gestern Samstag starb der Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti 96-jährig.  Er ist auch auf unserer Website mit Gedichten und Gedanken vertreten.

Ich habe zwei Nachrufe gefunden: Im Tagesanzeiger von Res Strehle und bei SRF.ch von Felix Schneider.