Archiv der Kategorie: Gebete

Wir haben eine Gebetssammlung mit Beiträgen aus Gottesdiensten und aus unserer Leser_innenschaft

Ein Vaterunser-Text aus rabbinischen Quellen

Vater unser, Der Du bist im Himmel;
Geheiligt werde Dein erhabener Name in der Welt, die Du geschaffen hast nach Deinem Willen
Es komme bald herbei und werde von aller Welt erkannt Dein Reich und Deine Herrschaft, auf dass Dein Name gepriesen werde in alle Ewigkeit.
Dein Wille werde getan im Himmel, und auf Erden gib Ruhe des Gemütes denen, die Dich fürchten, im übrigen tue, was Dir wohlgefällt.
Lass uns geniessen das uns täglich zugemessene Brot.
Vergib uns, unser Vater, denn wir haben gesündigt;
Vergib auch allen, die uns ein Leid zugefügt, wie auch wir allen vergeben.
Und lasse uns nicht in Versuchung kommen, sondern halte uns fern von allem Übel.
Denn Dein ist die Grösse und die Kraft und die Herrlichkeit, der Sieg und die Majestät, ja alles im Himmel und auf Erden.
Dein ist das Reich und Du bist aller Wesen Herr in Ewigkeit!
Amen

Aus Er wandelte nicht auf dem Meer von Pinchas Lapide.

O Herr

Du weisst besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde!

Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit zu jedem Thema etwas sagen zu müssen!

Erlöse mich von der grossen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen!

Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein!

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit scheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben – aber Du verstehst, o Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten, und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen!

Lehre mich Schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu, und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören – aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte keine Heilige sein, mit ihnen lebt es sich so schwer, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels!

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

Theresa von Avila (1515-1582)

Neujahrsgebet

Herr setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen,
aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen,
aber nicht sofort.

Hermann Kappen, Pfarrer in St. Lamberti in Münster/Westfalen 1883

Prayers of the People

Pray that the bombing cease.
Pray that not one drop of innocent blood be spilt.
Pray that the spirits of terrorism, American and Islamic, would have no more power over us.
Pray that this country would repent of its economic and cultural sins against other nations, and would no longer put any faith in political or in military solutions.
And pray that God repent of his silence, turn his face upon us again, and intervene to end this conflict, so that the world might know that there is a God whose ways are not our ways and who is strong to deliver those who trust in him and to frustrate the plans of those who do not, and so that the United States not bring shame upon God’s name by invoking him in this time of trial, nor have any right to take credit for bringing peace to the world.

Amen.

Steve Pearson in der Whosoevermagazine Mailinglist 8.10.01

Eingangsgebet

gott, gegenwärtiger, unnennbarer, namenloser
nur gott
mit dir sprechen wir, zu dir rufen wir, auf deine antwort warten wir
in diesem augenblick und an jedem tag unseres lebens

sei bei uns in dieser stunde, sprich zu uns,
öffne unsere ohren, öffne unsere herzen,
verscheuche unseren unglauben und unsere verstocktheit

wir sind ja so voll sehnsucht
wir sind ja so voll unruhe
und wir wissen:
du stillst unser verlangen
du machst unser herz ruhig
du neigst dich uns liebevoll zu

lass dieses geheime wissen tief in unseren herzen nie erlöschen:

dieses wissen stützt uns
dieses wissen hält uns aufrecht
dieses wissen macht uns froh

segne diese stunde, du, gott
der immer auf uns wartet
der uns immer entgegenkommt

wir danken dir
AMEN

Guter Gott

Guter Gott
Wir bringen vor dich unsere Unwissenheit:
Das Leben ist bunter, vielgestaltiger, als wir vermeinen
Die Schöpfung nicht nach unserem kleinen Bild
Der Farben sind viel mehr, als wir zu ahnen wagen
und Horizonte weiter als unser enger Blick

Guter Gott
Wir legen vor dich hin unsere Ängste:
Das Fremde läßt uns selber schwächer scheinen
Das andere gefährdet das Vertrauen zu uns selbst
Als brauchten wir Bestätigung durch einen Spiegel
Der Kraft uns schenkt und Sicherheit verleiht

Guter Gott
Wir klagen dir unsere Unbedachtsamkeit:
Der Schwulenwitz kursiert und lädt zum Lachen ein
Die Lesben sind in unserer Fantasie nicht wirklich Frauen
Die Rede von Ehe und Familie grenzt jene aus
Die mitten unter uns – meist unerkannt – andere Lebensformen wählen

Guter Gott
Wir werfen vor dich hin unsere Wut:
Sie kommt von jenen Tausenden von Jahren
In denen Tod und Marter drohten – die Kirchen waren mit dabei
Sie kommt von jenen vielen Schrecksekunden
Ob jetzt die Eltern alles wissen und es der Chef erfahren hat

Guter Gott
Wir treten vor dich hin mit unserer Stärke:
Wir sind gewiß daß du nichts schufst das nicht in deinem Sinne wäre
Und Glauben an den Exodus – den Weg ins freie offne Land
Wir sind gewillt Farbe zu bekennen wo da ein Schweigen herrscht
Und Recht zu fordern das die Minderheiten schützt

Guter Gott
Wir singen zu dir unsere Hoffnung
Daß es gelingen kann für jede und für jeden:
Das Leben und sein größter Schatz das Lieben
Daß wie bei Noah nach der großen Flut
Ein Bogen von Licht jedem Geschöpf eine Zukunft weist

HuK Wien: Mit Lust und Liebe. Homosexuell leben. 1998

Herr Jesus Christus

Herr Jesus Christus,
weil du das Brot mit den Armen gebrochen hast, wurdest du verachtet.
Weil du das Brot mit den Sündern und Ausgestossenen gebrochen hast, nannte man dich gottlos.
Weil du das Brot mit den fröhlichen Menschen gebrochen hast, nannte man dich einen Weinsäufer und Fresser
Weil du das Brot im Obergemach gebrochen hast, nahmst du den Kreuzesweg endgültig auf dich.
Weil du das Brot auf dem Weg nach Emmaus gebrochen hast, liessest du die Schuppen von den Augen der Jünger fallen.
Weil du das Brot gebrochen und geteilt hast, tun auch wir es und erbitten deinen Segen.
Herr Jesus Christus, segne das Brot, das wir brechen, und die Gemeinschaft, die wir miteinander teilen. Erneuere unser gemeinsames Leben, auf dass wir die heilige Schrift miteinander teilen und fühlen, wie unsere Herzen auf dem Weg miteinander brennen.
Amen

OeRK Canberra 1991