Die Vielfalt des Begehrens

Seit einigen Jahren geraten die Geschlechtergrenzen sichtbar ins Fließen, und nicht zuletzt die Werbeindustrie scheint für sich die Wirksamkeit einer »Erotik der Ambivalenz« entdeckt zu haben. Hochglanzmagazine zeigen maskulin anmutende Frauen in mädchenhaften Kleidern und zarte, verträumt blickende Männer in strengen Anzügen, Starmodels preisen »Unisex«-Parfums »for a man or a woman« an, und in Kleidungsfragen läßt sich längst nicht mehr streng zwischen »Damen« und »Herren« trennen. Marjorie Garber weist in ihrem provokanten Buch nach, dass die Vielfalt menschlichen Begehrens weitaus größer ist, als uns Erziehung und Gewohnheit gemeinhin glauben machen. An zahlreichen Beispielen aus Geschichte und Literatur, aus Psychoanalyse, Film und Alltagskultur zeigt die Autorin, wie präsent die Bisexualität als Konzept und mögliche Lebensweise in unserer Gesellschaft ist. Mit Witz und einer Fülle von Material gelingt es Marjorie Garber, die Bereiche zwischen oder gar jenseits von Hetero- und Homosexualität zu erkunden. Bisexualität, so wird hier deutlich, kann eine Lebensform sui generis sein, die nicht nur Madonna und Lord Byron, David Bowie, Vita Sackville-West und Leonard Bernstein vorbehalten ist.

Die Vielfalt des Begehrens Book Cover Die Vielfalt des Begehrens
Marjorie Garber
Bisexuelle
Fischer (Tb.), Frankfurt
2002
719
3-596148-17-0