IKAROS – wohin fliegst du?

Aus der Geschichte der Homosexualität und dem Erleben eines betroffenen Theologen

Noch viel deutlicher und kritischer nimmt der ebenfalls katholische Theologe Christian Herz sich des Themas an. Hier wird schon im Untertitel deutlich, daß es sich hier sowohl um eine wissenschaftlich-historische Abhandlung über die Bewertung der Homosexualität handelt, als auch um die Einbringung der eigenen Lebens- und Liebesgeschichte. Beide Teile bedingen einander. Denn eine Theologie ist dann tot und blutleer, wenn sie nicht (den) Menschen im Blick hat. Von der Antike bis zur AIDS-Thematik spannt sich der Bogen. Sich selbst als Ikaros begreifend will der Autor seine Sehnsüchte umsetzen, sich in den blauen Himmel schwingen – ungeachtet der Gefahren, vor denen ihn Daidalos, sein Vater, warnt. Zu diesen Gefahren gehören für den Theologen auch die traditionellen theologischen Argumente gegen Homosexualität. Dem vernichtenden Urteil Ikaros´ über diese Aussagen ist denn auch die Kapitelüberschrift vorgegeben: ”Das Stirnrunzeln des Daidalos. Theologische Auseinandersetzung“. Hier wird massiv sowohl gegen die biblische als auch naturphilosophische und dann vor allem gegen die kirchliche Position gegen Homosexualität argumentiert. Überschriften wie „Natur – die Hure christlicher Moral“ machen die Richtung deutlich. Der Schluß ist dann schwule Theologie pur: ”Mit den Schwingen des Ikaros. Visionen schwuler und lesbischer Christen.“ Begriffe wie „Stigmatisierung“ und „Exodus als Paradigma des Coming out“ deuten hier verschiedene Themen an.

IKAROS – wohin fliegst du? Book Cover IKAROS – wohin fliegst du?
Christian J. Herz
Theologie und Homosexualität
Akropolis Verlag, München
1995
3-929528-32-0