LSBK, die Geschichte

Im ersten „Querkreuz“ aus dem Jahr 2000 hat Martin unsere Geschichte aufgeschrieben. Die Zeit fliesst, deshalb haben wir im 2014 einen Nachtrag angefügt.

Wissenswertes über die LSBK in Worten und Zahlen

Homosexuelle kommen in den Kirchen nicht vor und werden in den Kirchgemeinden oft ins Abseits gedrängt. Und wenn sie sich dennoch in ihrer Ortsgemeinde einsetzen, so müssen sie oft ihr Schwulsein oder ihr Lesbischsein verstecken. Diese Ausgangslage führte dazu, dass sich 1991 eine Gruppe traf mit dem Anspruch, Homosexualität und gelebten christlichen Glauben in Einklang zu bringen. Das Ziel war von Anfang an, in ökumenischen Gottesdiensten Lesben, Schwulen und Bisexuellen einen Raum zu bieten, in dem sie ihr Christsein leben konnten ohne ihre sexuelle Orientierung als spirituellen Stolperstein zu erleben.

Im September 1991 sassen Urs, Emanuel, Paul, Matthias und Ewald an einem Wochenende zusammen und beschlossen, regelmässig Gottesdienste für Lesben und Schwule vorzubereiten und durchzuführen. Seinerzeit bestand schon das „Projekt Offene Kirche“ von Pfarrer Hansruedi Felix Felix, aus dem dann die OKE, die Offene Kirche Elisabethen hervorgegangen ist. Von Anfang an stand die Leitung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt voll hinter dem Projekt von Pfarrer Felix, und von der Ausrichtung und Zielsetzung der LSBK schien es uns, dass die „schwul-lesbische Basisgemeinde“ (so nannten wir uns damals noch) unter diesem Dach auch Platz haben sollte. Wir haben unser Anliegen Pfarrer Felix vorgetragen, und er hat es ermöglicht, dass die LSBK als Gruppe im Rahmen des „Projekts Offene Kirche“ und später der OKE ihre Gottesdienste in der Elisabethenkirche in Basel abhalten kann.

Der erste LSBK-Gottesdienst fand am 15. Dezember 1991 in der Kapelle des Pfarrhauses der Elisabethenkirche in Basel statt. Bis heute versteht sich die LSBK als Basiskirche, in der die Gottesdienste von Gemeindeangehörigen vorbereitet und durchgeführt werden. Seit Beginn gilt auch, dass in jedem Gottesdienst entweder Eucharistie oder Abendmahl oder, als Ausnahme, ein Agapemahl gefeiert wird.

Die Priester, Pfarrerinnen oder Pfarrer werden aus den Gemeinden der Region eingeladen. So ist die LSBK auch kirchlich in der Region vernetzt. Die LSBK ist nicht eine Konkurrenz der Ortsgemeinden. Die Gottesdienste sind vielmehr eine Ergänzung zu anderen kirchlichen Angeboten. Bereits im Jahr 1994 hat Pfarrer Dr. Georg Vischer, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt mit uns einen Gottesdienst gefeiert und als Pfarrer dem Abendmahl vorgestanden.

Aus der ursprünglich strengen „Ordnung für den Gottesdienst“ (der „Liturgie“), die wir uns als Hilfe und Leitfaden gegeben hatten, ist in der Zwischenzeit ein bunter Strauss mit den verschiedensten neuen Elementen entstanden. Von Anfang an war klar, dass es bei uns keine Predigt gibt, sondern dem Austausch der Gemeinde über einen Bibeltext – oder auch einmal einen anderen Text – zentrale Bedeutung zukommt. Inzwischen haben sich die alle an die damals „neuen“ experimentellen Einheiten genauso gewöhnt, wie sich die reformierten Besucher/innen an die katholischen Liturgiebestandteile und die katholischen Besucher/innen an die reformierten Formeln gewöhnt haben.

Seit einigen Jahren wird die OKE bekanntlich von der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt mitgetragen. Die seit 1999 an der OKE tätige katholische Theologin und Seelsorgerin, Frau Eva Südbeck-Baur, hat als Bekenntnis zur OKE und zur LSBK ein mutiges Zeichen gesetzt, indem sie Wert darauf legte, dass ihre Einsetzung ins Amt, ihre Installation, am 19. September 1999 im Rahmen eines LSBK-Gottesdienstes gefeiert.

Am 19. März 2000 konnten wir unseren 100. Gottesdienst feiern und im Jahr 2001 werden wir 10 Jahre alt.

Von Zeit zu Zeit laden wir verschiedene Musikgruppen und Chöre zur Mitwirkung an den Gottesdiensten ein. An diesen besonders angekündigten Feiern nehmen vermehrt auch heterosexuelle Menschen teil und Berührungsängste werden abgebaut. Ein sehr gutes Beispiel ist die Teilnahme des Polizeimännerchores beider Basel am 15. Februar 1998. Damals waren über 120 Personen zum Gottesdienst versammelt. Beim anschliessenden Apéro kam es zwischen den Anwesenden zu vielen sehr interessanten Gesprächen und bewegenden Begegnungen.

An dieser Stelle sei auch allen anderen Frauen und Männern, die einmalig oder über längere Zeit unsere Gottesdienste musikalisch mitgestaltet haben, ganz herzlich gedankt.

In unseren Gottesdiensten kommt es kaum je vor, dass jemand vom Anfang bis zum Ende auf dem gleichen Platz sitzt. Die wenigen fest montierten Kirchenbänke im Eingangsbereich werden jedoch für eine erste Kontaktaufnahme zur LSBK immer wieder gerne von jenen Besucherinnen und Besuchern benützt, die im Umgang mit der eigenen oder mit fremder Homo- und Bisexualität noch unsicher sind.

Damit wir uns auch persönlich kennen lernen können, setzen wir uns seit Beginn unserer Arbeit nach den Gottesdiensten einem einfachen Imbiss oder, seit Januar 2000, zu einer „Teilete“ zusammen. Die Gespräche bei diesen Mahlzeiten im Anschluss an die Gottesdienste in der Elisabethenkirche sind ein wichtiger Teil der Arbeit der LSBK mit und für Lesben, Schwule und Bisexuelle.

Im Jahre 1994 haben wir der LSBK die Rechtsform eines Vereins gegeben. Auf den 1. Oktober 2000 hat Urs Mattmann, Mitinitiator der LSBK und seit der Gründung des Vereins dessen Präsident, sein Amt an Ewald Merkelbach weitergegeben. Damit war es uns auch möglich, dem „Europäischen Forum christlicher Schwulen- und Lesbengruppen“, einem Netzwerk, dem knapp 40 Gruppen aus ganz Europa angehören, beizutreten. Und der Vorstand hat sich bald ebenfalls entschlossen, dass unser Verein dem Pink Cross und der LOS (nationale Schwulen- bzw. Lesbenorganisation) als Kollektivmitglied beitritt.

Seit die LSBK besteht, löst sie Reaktionen aus. Im Wintersemester 1993/94 wurden wir von der (reformierten) Theologischen Fakultät der Universität Basel eingeladen, uns an den von den Studierenden veranstalteten Projekttagen vorzustellen. Frank und Ewald haben uns damals vertreten. Sehr bald haben sich auch Presse, Radio und Fernsehen für die LSBK interessiert, teils im grösseren Zusammenhang mit der OKE, teils auch ganz speziell im Zusammenhang mit der Thematik Homosexualität und Kirche oder Christsein. Die Artikel, Sendungen und Berichte sind kaum mehr zu zählen. Erwähnen wollen wir hier den Artikel über unsere Gruppe im Kirchenboten der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, versehen mit einem recht mutigen offiziellen Statement des Kirchenrates zum Thema Homosexualität und Kirche. Und Urs Mattmann musste unzählige Interviews geben.

Allerdings muss hier schon angefügt werden, dass wir Lesben und Schwule nicht einem auf „Aussergewöhnliches“ erpichten Publikum als exotische Erscheinungen präsentiert werden wollen. Wenn wir uns zur „Schau“ stellen, so immer in der Absicht, dass „man(n)“ und „frau“ endlich begreifen, wer wir sind und dass eine oft scheinheilige Toleranz einmal echter Akzeptanz weicht!

Auch für die LSBK geht die Zeit weiter. Seit Frühsommer 1998 ist sie unter der Adresse http//:www.lsbk.ch auch im Internet erreichbar.

Damit wir weiterhin jeden dritten Sonntag im Monat ein LSBK-Gottesdienst feiern können und damit die LSBK für christlich orientierte, homo- oder bisexuelle Menschen auch in Zukunft einen echten Beitrag zur Versöhnung mit sich selbst und der Umwelt leisten kann, brauchen wir immer Menschen, nämlich Dich, die diese Arbeit tragen und unterstützen.

Martin, 2000

Nachtrag

Vereine haben ein Eigenleben, so trat 2005 fast der gesamte Vorstand zurück. André Feuz, damaliger reformierter Pfarrer der OKE, Anja  Pastorin an der Friedenskirche in Weil-Friedlingen und Urs Graf übernahmen das fragil gewordene Schiffchen LSBK. Später kam Monika Winter dazu.

Der neue Vorstand gestaltete einen neuen Prospekt. Statt mit „Homosexuelle kommen in den Kirchen nicht vor und werden in den Kirchgemeinden oft ins Abseits gedrängt“ auf 4 Seiten A5 beginnt er mit „Seit mehr als 20 Jahren feiern Lesben, Schwule und Transgenders in Basel Gottesdienste.“ Und das auf einer Postkarte!

In schwierigen Zeiten wurde das Angebot auf vier Gottesdienste im Jahr reduziert.

Im Dezember 2011 feierten wir das „Zwanzigjährige“ unserer Gottesdienste.

Zur Jahresversammlung 2012, an der über die Auflösung des Vereins LSBK beschlossen werden sollte, übernahm ein neues Team die Geschäfte: Danielle Balmer (christkatholische Theologin in Ausbildung), Frank Lorenz (damals Pfarrer in Reinach) und Urs Graf (ehemals Synodaler der evang.-ref. Kirche BS). Später kam Dietmar Nürk dazu. Das Angebot wurde auf sechs Gottesdienste im Jahr erweitert.

Mit dem neuen Selbstbewusstsein der LSBK ziehen unsere Gottesdienste immer wieder neue Gäste an, immer wieder wollen einige dem Verein LSBK beitreten und uns unterstützen.

Urs, 2014