Vom andern Ufer

Schwule fordern Heimat in der Kirche

Das im HuK-Info schon besprochene Buch des hier unter Pseudonym schreibenden katholischen Theologen kommt schon vom Titel her sehr deutlich auf seine Position zu sprechen: er will vom andern Ufer her zu den theologischen Fragen der Homosexualität Stellung nehmen. Heraus kommt eine sehr gut lesbare Theologie, die mit Recht als schwule Theologie oder Theologie im schwulen Kontext zu verstehen ist. Denn es ist nicht nur parteilich, sondern beginnt gleich mit der Definition: „Ein „schwules Buch“- dem andern Ufer zugedacht.“ Also den sog. Normalen, den Heteros. Hier wird sich sowohl in herkömmlicher Weise mit den theologischen Argumenten der Tradition auseinandergesetzt – auch mit früheren naturwissenschaftlichen – als auch die Vorwärtsstrategie geübt: Schwul-Sein als natürlich, schöpfungsgemäß und als Charisma wird entfaltet. Dabei wird bis auf Platos „Symposion“ zurückgegriffen. Schwul sein als Charisma, Gnaden-Gabe oder auch gute Gabe Gottes führt dann weiter. Letztlich geht es um die „Annahme seiner selbst“, um den hier auch zitierten Titel einer kleinen Schrift des katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini anzuführen. Und damit um die Frage, wie denn im Glauben die eigene Identität zu finden ist. Und da sind wir mitten in schwuler Theologie im Blick auf die Geschichte eigener Befreiung, vom rosa Winkel über den Christopher-Street-Day bis zur Besinnung auf schwule Elemente in der biblischen Tradition. Beispiel: David und Jonathan, auch Jesus und Johannes wird gestreift. Zum Schluß folgen Überlegungen zum Verhältnis von Lesben und Schwulen zu Kirche und Gesellschaft, die eben beiden Seiten auch „Schuld“ an der derzeitigen Situation gibt.

Vom andern Ufer Book Cover Vom andern Ufer
Jens Weizer (Ps.)
Theologie und Homosexualität
Patmos Verlag, Düsseldorf
1995
3-491723-37-X