Das Recht auf Veränderung und die Freiheit zur Entscheidung

Die Äusserung "Warum lasst ihr vom Zwischenraum einem Menschen nicht das Recht auf Veränderung?" hören wir in letzter Zeit sehr oft. Uns scheint, dass sie mittlerweile unter ChristInnen, die eine Position vertreten, die Homosexualität als eine veränderbare Störung oder Fehlentwicklung sieht, zu einer sprachlichen Wendung geworden ist, mit der versucht werden soll, unsere eigene "Intoleranz" vor Augen zu führen und somit unsere Kritik zu entwerten.

In Diskussionen oder Postings im Internet wird diese Aussage meist begleitet von Äusserungen wie: "Wenn ihr damit glücklich seid, Schwulsein und Christsein vereinbaren zu können, ist das eure Sache. Wir wenden uns an die, die das eben nicht wollen!"

Wir haben bei unserem letzten Treffen im ZWISCHENRAUM über diese Äusserungen diskutiert und wollen hierzu folgendes Statement abgeben:

Auch wir glauben, dass jeder Mensch ein Recht auf Veränderung hat.

Dabei muss aber gewährleistet sein, dass die Motivation hierfür aus dem eigenen Herzen des betreffenden Menschen kommt und er nicht diese Veränderung aufgrund von äusserem Druck durch sein soziales oder christliches Umfeld sucht. Oft erscheint es die einzige Chance zu sein, um unter "Frommen" die Anerkennung bzw. das Recht, Christ zu sein, nicht zu verlieren. Es gibt aber nur eine Freiheit der Entscheidung Angst vor negativen Konsequenzen.
Das Recht auf Veränderung ist für uns deshalb elementar mit der Freiheit zur Entscheidung verbunden.

Es gibt nur eine Freiheit der Entscheidung, wenn vorurteilsfrei zwei Alternativen gleichberechtigt und gleichwertig nebeneinander stehen dürfen.

Dabei muss aber gewährleistet sein, dass OHNE Angst vor Verurteilung in aller Freiheit Zugang zu beiden gegeben ist. Die Seelsorgedienste, die auf Veränderung abzielen, wollen aber keine Alternative bieten, denn sie sehen Homosexualität grundsätzlich als eine Fehlentwicklung oder Störung menschlicher Sexualität an . Sie lehnen eine in Verantwortung vor Gott gelebte Homosexualität ab. Wer wie diese Dienst auf ein Recht auf Veränderung pocht, der sollte gleichermassen das Recht auf Veränderung ZUR Homosexualität akzeptieren und Menschen, die zu ihnen in Seelsorge kommen auch darin weiterhelfen, ihren Weg als homosexuelle ChristInnen zu finden und auf ZWISCHENRAUM als echte Alternative zu ihrem Angebot verweisen.

Wir akzeptieren die Arbeit von Seelsorgediensten, die auf eine Veränderung der sexuellen Orientierung zielen.

Dabei muss aber gewährleistet sein, dass sie gelebte Homosexualität nicht als gelebte Sünde, sondern eine Form gelebter Sexualität sehen, die gleichberechtigt ist mit der von ihnen geforderten sexuellen Abstinenz bei einer homosexuellen Orientierung.

Wir akzeptieren also diese Seelsorgedienste,
wenn sie klar und deutlich machen, dass ihr Fokus darauf liegt, ChristInnen zu helfen, aus freien Stücken ihre sexuelle Orientierung in ihr Menschsein als Enthaltsamkeit zu integrieren, also ohne sie in Verantwortung vor Gott in Verbindlichkeit und Liebe zu leben.

Wir akzeptieren also diese Seelsorgedienste,
wenn sie nicht primär auf eine Veränderung der Homosexualität zielen, sondern eine Versöhnung des Menschen mit seiner Sexualität verfolgen, so dass am Ende auch ein mit seiner Homosexualität versöhnter und lebender Christ stehen darf. Hierzu gehört, dass die Dienste der Inneren Heilung nicht nur auf eine Veränderung, sondern auch auf eine Versöhnung mit der sexuellen Orientierung zielen.

Wir akzeptieren also diese Seelsorgedienste,
wenn sie ihre Arbeit und ihren Dienst am Menschen unter Achtung der Menschenwürde ausführen. Hierzu gehört für uns eine hohe Professionalität und Qualifikation in der Begleitung und Beratung. Wir bezweifeln, ob der Umgang mit einem so elementaren und persönlichkeitsprägenden Thema durch Ausbildungen wie das "Living Waters – Training" gewährleistet werden kann.

Fazit

Auch Zwischenraum tritt für ein Recht auf Veränderung ein und zwar eine Veränderung hin zu einem Menschsein, das die von Gott gegebene sexuelle Orientierung in all seiner Vielfältigkeit und seinen Formen als lebenserfüllendes Geschenk begreift und integriert.
Wir sind sehr dankbar, dass wir den Weg der Veränderung gehen und dabei erleben dürfen, wie wir durch das Annehmen unserer Sexualität und deren Integration in unser Menschsein unserer Berufung als Menschen ein Stück näher gekommen sind – und dafür sind wir unserem Schöpfer sehr dankbar!

Günter Baum

Dieser Text wurde gedruckt aus der Website der Lesbischen und Schwulen Basiskirche Basel WWW.LSBK.CH
herzlichen Dank für Ihr Interesse.